Beziehung heilt

Der Neurobiologe Gerald Hüther schreibt:

Beziehung wirkt heilendNiemand verliert die Freude am freien Denken von alleine. Dafür ist eine leidvolle Beziehung verantwortlich.“

Damit ist klar, dass Beziehung das Fundament für Lernen und Denken legt. Unser Gehirn wächst an der Beziehung zu den Eltern, zu anderen Erwachsenen, zu älteren, jüngeren, Geschwistern aber auch zu den Gleichaltrigen. Beziehung strukturiert die synaptischen Verschaltungen in unserem Gehirn und entscheidet über unser Denken und Fühlen entscheidend mit. Auch unser Selbstbild definiert sich durch die Beziehungsgestaltung zu anderen Menschen. Je jünger das Kind und je mehr Zeit  und je intensivere Zeit mit dem Kind verbracht wurde, desto größer der Einfluss der Beziehung auf die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten.

Beziehung heilt

Martin Buber geht sogar soweit zu behaupten, dass die Beziehung nicht nur prägt, sondern auch heilend wirkt. Nehmen wir an dieser Stelle an, Martin Buber hat Recht mit seiner Aussage, dass Beziehung heilt. Dann würde das bedeuten, dass Eltern und Großeltern heilend auf das Kind einwirken können. Und auch umgekehrt von dem Kind geheilt werden können. Bedenken Sie nur die Möglichkeiten! Wir haben die Macht der Heilung in unserer Hand.

Daraus ergeben sich zwei Fragen:

  1.  Was ist Beziehung?
  2. „Wie kann man Beziehung heilend und nicht leidvoll gestalten?

Zunächst zur ersten Frage.

Was ist Beziehung?

Beziehung ist die Fähigkeit miteinander in Kontakt zu treten und diesen Kontakt über einen längeren Zeitraum zu gestalten. Beziehung spielt sich zwischen zwei Menschen oder zwischen zwei Gehirnen ab. Dabei ist nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen vornehmlich die rechte Gehirnhälfte an dem Aufbau, der Interpretation, dem Mitgefühl und dem tragfähigen Halten dieser Beziehung beteiligt.

Giacomo Rizzolati gilt als der Entdecker der „Spiegel-Nervenzellen“. Wenn nun jemand ein schmerzverzerrtes Gesicht macht und dabei stöhnende Laute von sich gibt, können wir aufgrund der „mirror-neurons“ die Gefühle unseres Gegenübers beobachten, einprägen und selbst fühlen, wie es dem Anderen geht. Auf Grund der Spielgelneuronen ist der Säugling in der Lage, die mimischen Gesichtsausdrücke, den Klang ihrer Stimme aufzunehmen und versuchen nachzuahmen. Das Kind lernt über die Spiegelneuronen von seiner Mutter, von der Umwelt, die ihm bereitgestellt wird.

Beziehung ist also Aufnehmen, Interpretieren, Gefühle in sich entstehen lassen, Gefühle ausdrücken und damit im Gegenüber etwas auszulösen, das daraufhin wieder eine Reaktion folgen lässt. Wir bekommen also einen Vorgeschmack, wie unglaublich wichtig Beziehungserfahrung für menschliche Entwicklung ist. Diese Erfahrung strukturiert die synaptische Verschaltung in unserem Gehirn. Wir lernen an und von Beziehung uns selbst kennen.

Wie kann man Beziehung heilend gestalten?

Um diese Frage zu beantworten, stelle ich Ihnen folgende Übung zur Verfügung. Stellen Sie sich eine Ihnen wichtige Person vor. Das könnten beispielsweise die eigenen Eltern, das eigene Kind, der Partner eine beste Freundin, ein wichtiger Arbeitskollege sein. Bedenken Sie nun alle Probleme, die Sie mit der Person haben. Bedenken Sie all die Probleme, die diese Person mit Ihnen hat und welche Probleme die Person in ihrem Leben hat. Schreiben Sie die Probleme stichwortartig auf.

Nun gestalten Sie ein zweites Blatt Papier zur selben Person und erfreuen Sie sich an all den Stärken, die diese Person besitzt und fühlen Sie Dankbarkeit in sich aufsteigen, dass es die Person gibt und dass Sie Erfahrungen mit dieser Person teilen können, dass Sie sie kennen, dass es die Person gibt. Alles was wundervoll, großzügig, liebenswert an der bestimmten Person ist, darf nun zu Papier gebracht werden.

Welche der beiden Übungen ist angenehmer für Sie? Welche der beiden Blätter würden Sie lieber mit der Person besprechen? Wenn Sie beide Blätter besprechen würden, bei welcher Besprechung ginge es Ihnen besser?

Um Beziehung heilend zu gestalten, ist es wichtig in uns all das wachzurufen, was wir an der Person schätzen, die Dankbarkeit dass es die Person gibt und wie Sie hilft und bemüht ist.

Das innere Bild, das wir über die Person in uns kreieren hat entscheidenden Einfluss auf die Beziehung

Sobald wir ein negatives Bild von einem Menschen in uns erzeugen vergiften wir die Beziehung zwischen uns. Das Bild, das wir von anderen Menschen haben transportieren wir ständig mit, auch wenn wir noch so gute Schauspieler sind, wie tragen diese Energie nach außen. Und das wirkt auf die Meschen und auf die Beziehung zu den Menschen.

Sehen Sie Ihr Kind, Ihre Eltern, Ihren Partner so, als wären all Ihre Wünsche an Ihn bereits erfüllt.

Dieses Bild als wäre Ihr Gegenüber vollkommen wirkt ebenfalls nach außen und wirkt im wahrsten Sinne des Wortes heilend. Joachim Bauer schreibt in seinem Buch „das Gedächtnis des Körpers“ auf Seite 13: „Eine der wichtigsten Erkenntnissse der Stressforschung,….., ist, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur im Gehirn abgebildet und gespeichert werden, sondern dass sie die am besten wirksame und völlig nebenwirkungsfreie „Droge“ gegen seelischen und körperlichen Stress darstellen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind das Medium, in dem sich nicht nur unser seelisches Erleben bewegt, sondern in dem sich auch unsere körperliche Gesundheit bewahren lässt. Überall da, wo sich Quantität und Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen vermindern, erhöht sich das Krankheitsrisiko.“

Psychotherapie basiert auf zwischenmenschlicher Beziehung und ist die Basis der Behandlung. Auf Grund dieser wertvollen zwischenmenschlichen Begegnung wird Veränderung möglich.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

Unsere Buchempfehlung:

Joachim Bauer: „Das Gedächtnis des Körpers“

Das Gedächtnis des Körpers - Joachim Bauer

 

Gerald Hüther und Uli Hauser: „Jedes Kind ist hoch begabt“

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Kinder brauchen liebevolle Zuwendung

eine der größten Lügen in Bezug auf Babies lautet:

„Alle Babys schreien nun mal, man kann sie ruhig schreien lassen, das stärkt die Lunge!“

Zuwendung Baby und MutterBabys können noch nicht sprechen. Die einzige Möglichkeit ihren Eltern mitzuteilen, dass sie  ihre Eltern brauchen, ist zu  weinen. Es ist ein natürliches Signal. Weinen ist also Kommunikation. Kein Baby weint „einfach so“. Es gibt immer einen Grund, warum ein Baby weint! Manchmal ist dieser schwierig raus zu finden. Nicht selten weinen Babys weiter, weil sie Bauchweh haben oder etwas anderes sie stresst. Pft sind sie mit der Verarbeitung schwerwiegender Ereignisse beschäftigt, wie beispielsweise ihre Geburt.  Aber Fakt ist: Babys weinen nie einfach so, wenn sie glücklich und zufrieden sind. Sie wollen uns auch nicht provozieren oder nerven. Sie brauchen Zuwendung, jemanden der für sie da ist.

Zuwendung reduziert Stress

Das Kind kann sich nicht selbst aus der schwierigen Situation befreien und ist auf Hilfe eines Erwachsenen angewiesen. Unterbleibt diese Hilfe, wird das Kind zunehmend ängstlicher und gestresster. Ohne Unterstützung Erwachsener stellt es das Schreien erst durch Erschöpfung oder Resignation ein. Wird es jedoch wahrgenommen und getröstet, wird im Gehirn Oxytocin freigesetzt. Dieses Bindungs- oder auch Kuschelhormon sorgt dafür, dass der Spiegel an Stresshormonen wieder sinkt. Was Babies und Kinder also unbedingt zur Beruhigung benötigen, ist die Anwesenheit und die Zuwendung von Erwachsenen, damit sie die Stresshormone abbauen können.

Das weinende Kind benötigt unter allen Umständen prompte, liebevolle Zuwendung, um sich wieder stabilisieren zu können.

Unterbleibt diese und dies auch noch längerfristig, können schwerwiegende Folgen auftreten, die sich bis ins Erwachsenenleben auswirken. Manchmal beruhigen sich Babys auch dann nicht, wenn wir uns ihnen liebevoll zuwenden und es ist unklar, wie dem Kind geholfen werden kann. In solchen Fällen ist es jedoch notwendig, dass wir mit der Zuwendung nicht aufhören und das Kind nicht alleine mit seiner Not lassen nach dem Motto „Ich kann ihm ja sowieso nicht helfen“. Auch wenn es für uns nicht ersichtlich ist, ist das Dasein und die damit einher gehende Hormonausschüttung von Oxytocin schon eine Hilfe für das Kind, die nicht unterschätzt werden darf. Darüber hinaus lernt es: „Ich werde geliebt und umsorgt, wie auch immer es mir geht.“ – Ein wichtiger Baustein für das weitere Leben und unerlässlich dafür, Vertrauen aufzubauen so Susanne Mierau in ihrem Buch „Geborgen wachsen“

Liebe beruhigt in jedem Alter

Diese liebevolle Zuwendung in Zeiten großer Emotionalität endet nicht mit einem bestimmten Alter, sondern ist für alle Kinder wichtig. Kinder brauchen einen liebevollen Hafen der Geborgenheit bei ihren Eltern, auch wenn sie schon pubertieren oder bereits die Schule verlassen haben. Eltern und andere wichtige Bezugspersonen sorgen für emotionale Stabilität und sind Grundlage für Gefühle von Sicherheit und Vertrauen im ganzen Leben.

Autorin: Eltern-Kids-Coach Nina Petz

Buchtipp:

Susanne Mirau – Geborgen wachsen

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Gleichaltrigenorientierung – Verlieren wir unsere Kinder an die Gleichaltrigen?

„Schlägerei unter Jugendlichen“, „Cyber-Mobbing in Schulklasse“ – die Medienberichte zeichnen derzeit nicht gerade ein optimistisches Bild unserer Jugend. Neufeld führt das auf die Gleichaltrigenorientierung zurück.

Gleichaltrigenorientierung
Straffällige Jugendliche haben eins gemeinsam: Sie haben keine sichere Bindung an ihre Eltern. Daher sollen diese ihre Autorität als „Leitwölfe“ ernst nehmen – gerade in der Pubertät.

„In der Pubertät haben wir einfach nichts mehr zu sagen.“ Diesen Satz hört man häufig, wenn man sich mit Eltern von Kindern im Teenager-Alter unterhält. Und fast schon resignierend fügen sie oft hinzu: „Meinem Kind sind nur seine Freunde wichtig – alles was wir sagen, ist uncool. Aber wir waren in der Pubertät ja auch nicht anders. Das ist scheinbar normal.“ Beim kanadischen Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld schrillen bei solchen Sätzen die Alarmglocken. Er arbeitet viel mit delinquenten Jugendlichen. „Schwierige Kinder“ sind seit Jahren sozusagen sein Hauptgeschäft. Er ist davon überzeugt, dass es höchst an der Zeit ist, in der Kindererziehung umzudenken. „Studien belegen, dass straffällige Jugendliche eines gemeinsam haben: Sie haben keine sichere Bindung an ihre Eltern oder andere erwachsene Bezugspersonen. Diese jungen Menschen sind vor allem auf ihre Altersgenossen fixiert. Diese haben den Platz der Eltern übernommen und von diesen übernehmen die Jugendlichen ihre Werte, Gedanken und Ideen.“ Doch wie können unerfahrene Jugendliche sich gegenseitig Orientierung fürs Leben geben und dabei helfen, Entwicklungsaufgaben zu meistern? „Es klappt eben nicht, und genau das ist das Problem der Gleichaltrigenorientierung“, so Neufeld. Er setzt den Hebel bei den Eltern an. Diese sollten nie aufhören sich einzubringen – vom Babyalter bis zum Ende der Pubertät – denn nur eine sichere Eltern-Kind-Bindung sei die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung.

Elterliche Autorität ist gefragt

GleichaltrigenorientierungNeufeld will Eltern dazu ermutigen, ihre elterliche Autorität wieder ernst zu nehmen. „Mama und Papa sollen wieder führen. Der Nachwuchs soll wieder zu den Eltern aufschauen können, ihnen vertrauen und sich nach den Eltern richten – und nicht nach den Schulfreunden“. Auch der dänische Erziehungsexperte Jesper Juul sieht viel mehr Eltern als „Leitwölfe“, die sowohl Vorbilder sein sollen als auch Verantwortung für die Qualität der Beziehung zu ihren Sprösslingen übernehmen sollen. Juul spricht vom Ende des „Kuschelkurses“. Dabei geht es folglich nicht um eine autoritäre Erziehung per se. Strafen, wie Zimmerarrest, wirken eher manipulativ, ein Verhaltensdrill würde die Eltern-Kind-Bindung nur nachhaltig schädigen, warnen die Experten. Gerade in Krisensituationen gilt es gemeinsam an der Beziehung zu arbeiten, den Nachwuchs „zu sich zu holen“ und den Kontakt zu den Gleichaltrigen einzuschränken. „Eine enge, gute Bindung schafft, dass Kinder zuhören und kooperieren möchten“, ist sich Neufeld sicher. Eltern können sich daher vom Druck befreien, „cool“ sein zu müssen. Wichtig ist vielmehr, dass sie authentisch und für Ihre Kinder der Nähe- und Ankerpunkt sind. „Nicht was wir tun als Eltern ist wichtig, sondern wer wir sind als Eltern für unsere Kinder“, so Neufeld.

Elterliche Bindung für große und kleine Kinder wichtig

Auch das oft genannte „Fremdeln“ von Kleinkindern lässt sich durch diese Bindungstheorie leicht erklären. Denn die kindlichen Vorbehalte vor neuen Personen stellen sicher, dass die Bindung zu Mama und Papa enger wird. Emotionale Szenen bei der Eingewöhnung in Krippe oder Kindergarten sind für den Experten nicht verwunderlich, ganz im Gegenteil: „Kinder gehören nicht zu Kindern, sondern zuerst zu ihren Eltern. Natürlich sind Freunde wichtig, aber zur Ausformung einer stabilen Persönlichkeit ist es entscheidend, dass die Eltern-Kind-Bindung nicht mit dieser zu Gleichaltrigen konkurriert“.

Autorin: Nina Petz

„Kinder gehören nicht zu Kindern, sondern zuerst zu ihren Eltern. Für eine stabile Persönlichkeit ist es entscheidend, dass die Eltern-Kind-Bindung nicht mit dieser zu Gleichaltrigen konkurriert.“ – Gordon Neufeld (Unsere Kinder brauchen uns)

Buchtipp von Freiraum-Lobau:

Unsere Kinder brauchen uns!  von Gordon Neufeld

Gleichaltrigenorientierung

 

GleichaltrigenorientierungGordon Neufeld ist ein international renommierter kanadischer Entwicklungspsychologe.

In seinem Bestseller „Unsere Kinder brauchen uns“ (2004) ermutigt Dr. Gordon Neufeld Eltern und Erzieher, selbst der wichtigste Einfluss im Leben ihrer Kinder zu bleiben, anstatt dies deren Altersgenossen zu überlassen. Im Zuge der „Gleichaltrigenorientierung“ komme es zu einem Entwicklungsstillstand der Kinder, der die Individualität unterdrückt. Der nach ihm benannte „Neufeld-Ansatz“ spießt sich dadurch mit den derzeit oft vorherrschenden

Erziehungspraktiken und auch der Familien- und Bildungspolitik vielerorts. Doch trotz Kritik, Neufeld ist überzeugt, dass seine Erkenntnisse Eltern davor bewahren können, ihre Kinder zu „verlieren“ und helfen, wenn nötig, die tiefe Verbindung zu ihnen wiederherzustellen: „Wir sind die beste Chance für unsere Kinder. Auch wenn sie es manchmal nicht wissen, sie brauchen uns“.

Der kanadische Entwicklungspsychologe ist selbst fünffacher Vater und arbeitet seit über 30 Jahren mit Kindern und den für sie verantwortlichen Erwachsenen. Bekannt wurde Neufeld u.a. auch für seine mehrjährige Zusammenarbeit im Gefängnis mit jugendlichen Gewaltverbrechern. Er hat 20 Jahre lang an der University of British Columbia als Professor gelehrt und war viele Jahre in eigener therapeutischer Praxis tätig. Inzwischen konzentriert er sich auf die Weitergabe seines Wissens und die Schulung von Eltern und beruflich mit Kindern Tätigen in der hilfreichen Anwendung der von ihm gewonnenen Erkenntnisse über Bindungen. Der 69-jährige ist außerdem gern gesehener Gast in zahlreichen US-Fernseh- und Radiosendungen.

http://neufeldinstitute.org/

Weiterer Buchtipp: Jesper Juul – Leitwölfe sein; Liebevolle Führung in der Familie

Jesper Juul

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