Glaube bedeutet Respekt und Wertschätzung für mein Kind

Um Glaube zu erklären möchte ich zunächst auf das Gegenteil eingehen: Erwartungen!

Was sind Erwartungen?

Glaube an das eigene Kind

Dazu muss man sich bewusst machen, was Erwartungen eigentlich sind. Meist klingen sie in etwa so: „Ich erwarte, dass du Zähne putzt, dich anziehst, zusammenräumst, Hausaufgaben machst usw. …“. Und wehe das Kind sagt Nein. Jedoch ist die innerliche Haltung bei all diesen kleinen Erwartungen, dass das Kind sich sträubt, nicht entsprechen wird oder irgendwie unkooperativ sein wird.

Probieren Sie folgende Übung

Stellen Sie sich hinter Ihren Übungspartner am einen Ende des Raumes. Nun befördern Sie mittels Erwartungen ihren Partner von dem einen Eck ins andere. Oft sind das viele kleine Schubse in die Richtung. Ich traue meinem Kind nicht zu kooperativ zu sein. Vergesse auf Verbindung zum Kind und glaube durch diese Schubse schneller am Ziel zu sein. Nun fragen Sie Ihren Übungspartner, wie es ihm ergangen ist. Häufig sagen die Menschen, sie wären am liebsten davongelaufen. Doch das ist das, was wir von unseren Kindern absolut nicht wollen. „Bleib da, wenn ich mir dir rede – Schau mich an…“

Was ist Glaube?

Schließlich wollen wir den Glauben genauer unter die Lupe nehmen. Aus meiner Sicht hat der Glaube viel mit Dankbarkeit zu tun. Sobald ich mir mittels Dankbarkeit die Fülle der Beziehung zu meinem Kind bewusst mache, wird das weite Potential unserer gemeinsamen Beziehungen offensichtlich. Das Ziel wird greifbar nah, bzw. sehe ich das ganz viel schon passiert ist. „Ich glaube an deine Fähigkeiten, deine liebevolle Art, deine Verlässlichkeit usw. …“ – diese Sätze können im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen. „Ich glaube an dich.“

Dieser Glaube bedeutet tief in die gemeinsame Beziehung zu gehen, sowie Respekt und Wertschätzung.

Übung:

Leiten Sie Ihr Gegenüber im Glauben ans andere Eck des Zimmers. Nehmen Sie zu Ihrem Partner Kontakt auf, berühren Sie ihn und treffen Sie mit ihm eine klare gemeinsame Entscheidung ans andere Eck zu gehen. Seien Sie sonnenklar. Sie nehmen Ihr Gegenüber liebevoll wahr und Sie wissen den Weg. Wenn sich in Ihrem Gegenüber Zweifel hegen sollten, wissen Sie, dass Sie nicht klar und zweifelsfrei waren. Sie trauten dem Gegenüber nicht zu mit Ihnen gehen zu wollen.

 Waren Sie klar, wird ihr Gegenüber sehr gerne bei Ihnen sein wollen.

Warum nicht jemanden zustimmen, der von tiefsten Herzen von mir überzeugt ist. Natürlich folge ich dir. Kein Zweifel. Glaube bedeutet, das Beste in sich selbst und im Gegenüber zu sehen und aus tiefstem Herzen zu glauben. Wenn Sie das Beste in ihrem Kind auch in Bezug auf ein Ziel, bei dem Ihnen vielleicht bereits jeder Glaube abhanden gekommen ist, wie Zimmer aufräumen, pünktlich sein, Mathe lernen, aufbringen und ihr Kind dahin liebevoll begleiten, kann das für die Beziehung zu ihrem Kind und die Erreichung der Ziele nur hilfreich sein!

Hier ein Beispiel von mir mit meinen Kindern

Jeden Morgen in der Früh für die Schule waren wir 5-10- Minuten spät dran. Ich trieb die Kinder vor mir her. „Habt ihr schon Zähne geputzt, frühstücken!, zieht euch an usw, usw.“ Sehr anstrengend, das kann ich Ihnen versichern. Schließlich wurde mir klar, dass ich meinen Kindern nicht mal zutraute selbständig pünktlich zu sein und ich sie mit Erwartungen bombardierte. Aus Selbstschutz hörten sie auch kaum noch darauf. Ich beschloss etwas zu ändern. Ich sagte mir selbst vor, dass ich an sie glaubte – mehrmals. Schließlich fing dieser Glaube an zu wachsen und mir wurde klar, auch sie wollten gerne pünktlich sein und waren auch bereit dazu, sich dafür einzusetzen. Ich sagte ihnen: „Ich glaube an uns. Gemeinsam werden wir es schaffen.“ Ich nutzte dabei auch die Gelegenheit über Zeit zu sprechen und die Unhöflichkeit und Respektlosigkeit den anderen gegenüber, wenn man unpünktlich ist. Schließlich hörte ich auf, sie ständig mit Erwartungen zu nerven. Ich vertraute darauf, dass sie wussten was zu tun ist. Ich traute ihnen zu, dass ich mich nicht darum zu kümmern brauchte, wie mein Ziel der Pünktlichkeit umgesetzt wird. Meine Aufgabe war es bei Fragen und Problemen für sie da zu sein und immer wieder das Gefühl von Zeit in ihnen zu stärken, und von tiefsten Herzen an sie und mich zu glauben. Und siehe da, wir wurden immer pünktlicher.

Von tiefsten Herzen bin ich überzeugt, dass du das 1×1 lernen und können wirst. Ich glaube an deine Fähigkeiten das 1×1 zu lernen.“

Erwartungen: „Ab heute üben wir jeden Tag eine Viertelstunde, damit das 1×1 sitzt.“

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will hier nicht sagen, dass man mit seinem Kind nicht üben soll. Mir geht es hier an dieser Stelle ausschließlich um die innere Grundhaltung dem Kind gegenüber. Bei Erwartungen geht das Vertrauen verloren, wie das 1×1 gelernt werden kann. Dem Kind wird nicht zugetraut sich das 1×1 anzueignen – sie brauchen einen konkreten Plan. Damit verhindern Sie jedoch Flexibilität und Kreativität der Zugänge zum 1×1. Einmal kann die 8er Reihe im 8er gegangen und aufgesagt werden. Fangen spielen, im Leo ist man wenn man die 4er Reihe aufsagt… Sie können gemeinsam ein Bild von der 3er Reihe malen. Vielleicht entsteht dabei eine Geschichte. Ein 3er ging durch den Wald. Da traf er den 6er. Sie beschlossen den 9er zu fragen, ob er mitspielen wolle. Da stieß der 12er dazu und sagte spielen wir fangen. Als der 12er den 3er fing, wussten sie 5×3=15.

All diese kreativen Zugänge können sich jedoch nur entwickeln, wenn sie an sich glauben, an ihr Kind glauben und miteinander in Beziehung bleiben. Das ist der nächste große Nachteil von Erwartungen. Immer ist die Schubserei ohne ehrliche und liebevolle Kontaktaufnahme, passiert oft aus Ungeduld heraus. Dafür habe ich nicht die Zeit. Das muss doch eh klar sein, dass ich mein Kind liebe und an es glaube. Nein, das ist es nicht, wenn Sie ihr Kind den Glauben nicht leben und spüren lassen. Durch den Glauben wird ihr Kind immer selbständiger. Langfristig – oft auch kurzfristig – ist es die viel schnellere und für alle Seiten angenehmere und auch lustvollere Variante. Bedenken Sie den Spaß, der Ihnen beim gemeinsamen 1×1 lernen entgehen könnte.

Glauben Sie an das Endergebnis und stärken Sie so die Beziehung zu ihrem Kind

Kümmern Sie sich nicht darum, wie Sie mit Ihrem Kind zum Ziel hingelangen. Lassen Sie miteinander entstehen was kommt.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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