Freiraum-Lobau – der Psychotherapie-blog

Im Hier und Jetzt

Genuss beim Kaffeetrinken und LesenEiner der wichtigsten Aspekte der integrativen Gestalttherapie ist das sogenannte Hier und Jetzt. Doch was soll das sein? Jeder kennt diesen Ausdruck – aber was versteht man darunter? Wie man denn ins „Hier und Jetzt“ gelangen kann, ist vielen völlig unklar.

Oft malen sich Eltern die eigene und die Zukunft ihrer Kinder aus. Wie wird es werden, wenn der Sprössling endlich zwei geworden ist und weniger Aufmerksamkeit braucht. Wie es wohl sein wird, wenn der Nachwuchs endlich in die Schule geht, wenn er endlich selbständig arbeitet und Geld verdient.

Zukunft und Vergangenheit existieren ausschließlich in unseren Köpfen

Die Gedanken kreisen um die Zukunft. Man macht sich Sorgen, ob die Kinder wohl genügend lernen, ob sie mal einen guten Job bekommen werden und, und, und. Das Ziel in der Zukunft, das sowieso nie gewiss sein kann, wird so groß, dass die Beschäftigung mit dem augenblicklichen Moment – dem Jetzt –wie das Baby in diesem Moment einzigartig lächelt, wie seine kleinen Haarsträhnen kleine Löckchen bilden, wie seine Füße riechen, wie die Sonne auf das Gesicht des Babies fällt, wie es sich anfühlt das Kind im Arm zu halten und ihm etwas vorzusingen– verpasst wird.

Dabei ist das Handeln und Wahrnehmen im Moment der einzige Einfluss der tatsächlich und real überhaupt möglich ist. Sowohl die Zukunft, als auch die Vergangenheit existieren ausschließlich in unseren Köpfen. Die Zukunft kann nur ausgedacht sein, da wir sie unmöglich kennen können, obwohl wir uns das gerne einreden. Die Vergangenheit ist das, was in unserer Erinnerung bleibt, die Gefühle und Stimmungen, die wir im Kopf abgespeichert haben. Doch real ist nur das Jetzt….

Genuss entsteht im Moment

Den jetzigen Moment zu verpassen, bedeutet die bewusste Wahrnehmung und damit den Genuss zu verpassen. Denn was ist Genuss? Denken Sie an den Film „die fabelhafte Welt der Amelie“ – Amelie mag es die Finger in einen Sack Bohnen gleiten zu lassen. Was ist die Voraussetzung dafür? Sie nimmt wahr und fühlt jede einzelne Bohne an ihren Fingern vorbeigleiten. Amelie fühlt den Tanz der runden Bohnen, die die Hand umspielen. Das Mädchen ist im Moment ausschließlich mit Wahrnehmung beschäftigt und das macht diese simple Handlung zum Hochgenuss.

Genuss löst die Wahrnehmung von Raum und Zeit auf

In diesem Moment ist kein Gedanke an die Zukunft möglich. – sonst wäre die Wahrnehmung eingeschränkt. Das Gefühl von Zeit ist ebenfalls nicht wichtig und löst sich vor dem Hintergrund der Wahrnehmung auf. Das ist ein Zen-artiger Zustand von No-Mind. Erwachsene sind oft nur für wenige Sekunden, wenn überhaupt voll und ganz im Hier und Jetzt, bevor der Verstand erneut einsetzt und pausenlos kommentiert. –  Immer wieder bewertet er und wälzt Gedanken, die schon häufig in der Form gedacht wurden und zu keiner Lösung geführt haben und vermutlich nicht werden.

Kinder als Vorbilder

Kinder sind wunderbare Zen-Meister. Sie lieben intensive Wahrnehmungen von Kleinigkeiten, um diese voll und ganz zu genießen mit allen Sinnen, die ihnen zur Verfügung stehen. Kleine Kinder inspizieren den Boden und ertasten jedes Staubkörnchen. Sie erkunden Bausteine mit dem Mund und nehmen wahr, wie sich das lackierte Holz mit der Zunge anfühlt. Sie sind Wahrnehmung. Alles andere ist nicht wichtig.

Der innere Beobachter

Eckard Tolle beschreibt in seinem Buch „Jetzt“, wie der innere Beobachter aktiviert werden kann, um im Jetzt bleiben zu können. Er empfiehlt die eigenen Gedanken zu beobachten. So können Sie sich bewusst werden, wie die eigenen Gedanken davon galoppieren, oft wirr und unzusammenhängend,  wie sie Furcht einflößen und oftmals der einzige Grund für Sorgen und Ängste sind. Mit diesem Bewusstsein kann nun noch tiefer beobachtet werden. Nämlich wie fühlt es sich an diese sorgenvollen Gedanken zu wälzen. Dieses Bewusstsein ermöglicht die Entscheidung, ob diese Gedanken wirklich weiter gesponnen werden wollen. Trotzdem lächelt der Beobachter die Gedanken liebevoll an und damit können diese Gedanken schließlich losgelassen werden.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

Erfahren Sie mehr über Glück und Zufriedenheit und über die Angst vor dem Glück.

Buchtipp: Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart

Eckhart Tolle

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Es ist gar nicht so einfach glücklich zu sein….

Angst vor dem Glück„Das kann ich doch gar nicht glauben“, werden sie sagen. „Was soll denn daran beängstigend sein?“ Doch glücklich zu sein bedeutet oftmals einen völlig neuen Kurs als bisher einzuschlagen, alles anders zu machen, zu denken und zu fühlen als bisher. Das ist Veränderung und Veränderung macht sehr oft große Angst, weil wir damit das Gefühl aufgeben unser Leben unter Kontrolle zu haben, zu wissen, wie der Hase läuft, zu wissen, was als Nächstes auf uns zukommen wird.

Verzweifelt reden wir uns ein zu wissen, was die vorhersehbare Zukunft bringen wird. Wir machen uns selbst vor, die Zukunft unter Kontrolle zu haben und geben uns dieser Illusion hin. Dieser Kontrollzwang über das was kommen wird, basiert vor allem auf der Angst, dass etwas Unvorhergesehenes, etwas Neues eintritt. Doch dass wir durch diese scheinbare Kontrolle über die Zukunft, uns unglaublich einschränken, verweigern wir wahrzunehmen. Wir schränken uns durch unser Denken selbst ein. Wir glauben auf A folgt B. Das war immer schon so und wird auch so bleiben.

Wenn ich zum Zahnarzt gehe, wird es schmerzhaft. Wenn ich ein falsches Wort zu meinem Vorgesetzten sage, werde ich gefeuert. Wenn ich einen Knollenblätterpilz esse, sterbe ich. Wenn ich Falten und graue Haare bekomme, bin ich nicht mehr begehrenswert. Wenn ich nicht trainiere, übe und Leistung erbringe, werde ich keine Erfolge erzielen. Wenn ich von einer Giftschlange gebissen werde, sterbe ich. Was sich alles eröffnen kann, wenn man diese Glaubenssätze aufbricht und neu beleuchtet, ist eine kaum betrachtete Welt. Was passiert, wenn diese scheinbaren Naturgesetze in Frage gestellt werden? Was wenn sie gar nicht stimmen.

Tatsächlich gibt es Menschen, die das Gift der Schlangen aushalten…. Nur weil sie nicht davon überzeugt sind, dass das Gift tödlich ist. Es gibt Menschen, die beim Zahnarzt keine Schmerzen spüren, weil sie Selbsthypnose üben. Und viele Beispiele mehr. Das bedeutet aber auch, dass B nur dann auf A folgt, wenn das innere Denkmuster und die Gefühlshaltung davon überzeugt sind.

Wie funktioniert Veränderung?

Wie kann sich etwas ändern, wenn wir alles so sehen wie wir es immer gesehen haben, wenn wir uns nichts Neues zu wagen trauen, wenn wir nichts Ungewohntes ausprobieren und einfach mal Kopf stehen? Wie kann sich etwas ändern, wenn wir an alten Überzeugungen, Vorstellungen, Glaubenssätzen über unsere Welt verhaftet bleiben?Was genau ist so schwierig daran aus alten Denkmustern der Vergangenheit auszubrechen?

Stellen wir uns mal für einen kurzen Moment vor, wir hätten die Macht all unsere Wünsche und Träume zu verwirklichen, die Welt so zu gestalten, wie wir sie uns wünschen – nämlich zu unserem  größten Glück. Dann gäbe es plötzlich keine Ausreden mehr für Griesgram, Ärger und Sorgen. Wir hätten keine Möglichkeit mehr für Niedergeschlagenheit – schließlich könnten wir unsere Welt ja auch anders gestalten. Nehmen wir an, wir hätten diese Macht. Können Sie sicher sein, dass Sie diese Welt wollen würden – eine Welt ohne Ausreden, wie Angst, Sorgen, Bedenken und Trostlosigkeit?

Je größer die Möglichkeiten der Veränderung, desto größer die Angst vor der Veränderung.

Die Angst, dass die eigenen Träume tatsächlich realisiert werden können wird unermesslich. Es stellt sich die Frage: „Wer und wie bin ich, wenn ich glücklich bin? Kann ich das, will ich das? Das bedeutet ja ernsthaft mich von meiner, schon so vertrauten schlechten Laune und all meinen Ängsten zu lösen. Nochmals: „Wer bin ich ohne die Angewohnheit mich zu fürchten, mich unwohl zu fühlen, ohne meine Traurigkeit und Unzufriedenheit als ständiger Begleiter?“ Die Identifikation mit den eigenen Gedanken und Gefühlen löst sich auf und damit beinahe die vertraute Identität, so wie ich sie kenne. Wenn das nicht beängstigend ist. — Es ist gar nicht so einfach glücklich zu sein, stellen wir hier fest. Lesen Sie mehr über Glück hier.

Tipp: Im Magazin Gehirn und Geist ist dazu ein interessanter Artikel zu lesen.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

Unsere Buchempfehlung:

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Erziehung ohne Strafe und Verbote

Wenn der Spross einen zur Weißglut bringt, ist es oft schwierig, ohne Verbote und ohne Strafe auszukommen. So kann es dennoch gelingen:

„Jetzt hör sofort auf, sonst fahren wir nach Hause!“, „Es reicht, ich zähle bis drei, und wenn du dann nicht herkommst, gibt es heute keine Gute-Nacht-Geschichte“ – Sätze wie diese kennen wir nur allzu gut. Denn groß ist oft die Überforderung und stressig der Alltag. Da rutschen einem dann schon Sätze über die Lippen, die man aus der eigenen Kindheit kennt und die man eigentlich nie sagen wollte. Aber sind Strafen und Drohungen denn wirklich so schlimm? „Ja“, sagt der amerikanische Erziehungsexperte Alfie Sohn, „Bestrafung setzt auf Kontrolle. Sie vermittelt Kindern, dass sie nur geliebt werden, wenn sie uns gefallen oder uns beeindrucken.“

Let’s talk about Stress!

Strafen und Drohungen schädigen die Eltern-Kind-Bindung und das Selbstvertrauen des Nachwuchses nachhaltig. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation. Reden Sie miteinander darüber! Gehen Sie in Beziehung zu Ihrem Kind, fragen Sie nach, und sprechen Sie seine Gefühle offen an: Worum geht es bei dieser Auseinandersetzung wirklich? Welche Bedürfnisse hat mein Kind, und was will ich als Elternteil? Kurzfristig ist diese vielleicht die aufwendigere Lösung, aber langfristig ist sie besser für das Klima daheim, und der Nachwuchs lernt Verständnis und Konfliktmanagement.

Verbote sorgen für Funkstille

Jeder gerät im gemeinsamen Zusammenleben das ein oder andere Mal an seine Grenzen. Doch mit Verboten zerstören Sie mehr als sie glauben. Die Eltern-Kind-Beziehung gilt es zu hegen und zu pflegen, ist sie schließlich auch später in der Pubertät wichtig, um an gemeinsame Werte zu erinnern und den Nachwuchs vor gefahren zu bewahren. Fakt ist: Strafen und Drohungen machen Angst und lösen das Problem keineswegs langfristig. Bei Fernseh- oder Handyverbot zum Beispiel, denken Kinder bestenfalls darüber nach, wie sie das Verbot schnellstmöglich umgehen können, aber nicht über das eigentliche Thema. Außerdem brechen Strafen die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ab. Dabei wollen wir doch genau das Gegenteil: Endlich gehört werden!

Mehr Verständnis durch Empathie

Versuchen Sie herauszufinden, worum es Ihrem Nachwuchs in der jeweiligen Situation wirklich geht. Nehmen Sie Ihr Kind ernst! Was braucht es gerade? Natürlich dürfen und sollen Sie neben den Gefühlen Ihres Kindes auch Ihre eigenen Gefühle und Ihre persönliche Grenze ansprechen. Sätze, wie „Offensichtlich bist du gerade sehr wütend, das kann ich gut verstehen“ helfen dem Nachwuchs sich angenommen zu fühlen auch, wenn dieser gerade von seinen Gefühlen überwältigt wird und überfordert ist.

Ein „Nein“ ist kein Weltuntergang!

Eine wertschätzende Kommunikation bedeutet keineswegs das alles erlaubt ist und daheim die „Diktatur der Kinder“ herrscht. Selbstverständlich braucht es im Alltag, vor allem wenn es um Sicherheit geht oder um das Einhalten gemeinsamer Familienregeln, auch mal ein klares „Nein“. Natürlich dürfen – und sollen! – Eltern „Nein“ sagen. Aber auch ein „Nein“ kann wertschätzend formuliert werden und muss nicht zum Machtkampf zwischen den Generationen ausarten.

Autorin: Nina Petz

Buchtipp:

                         Katia Saalfrank: Erziehung ohne Strafen

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Weitere Buchtipps:

Alfie Kohn: Liebe und Eigenständigkeit, Der Mythos des verwöhnten Kindes

Jesper Juul: Das kompetente Kind

Thomas Gordon: Familienkonferenz

Marshall B. Rosenberg: Kinder einfühlend ins Leben begleiten – Elternschaft im Licht der gewaltfreien Kommunikation

Danielle Graf und Katja Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Freiraum Lobau meets Gerald Hüther

Gerald Hüther in Wien März 2018Am Mittwoch 7. März 2018 in Wien 15, hatte ich das große Vergnügen einen Vortrag von Prof. Gerald Hüther live zu hören. Und wenn ich sage Vergnügen, dann meine ich das so. Eineinhalb Stunden größte Redekunst. Der Mann kann mit Worten die Aufmerksamkeit fesseln ohne dazu Hilfsmittel wie PowerPoint zu brauchen. Er steht auf der Bühne und spricht in ganzen wohl formulierten Sätzen, erklärt dabei auf einfache Weise komplexe Gedankengänge, spannt einen riesigen Bogen über diese Rede, in der sich letztendlich alle Bausteine zu einem in sich logisch geschlossenen Ganzen zusammenfinden. Man hört, ich bin sehr beeindruckt.

Würde

Dieses Wort, legt  den Grundstein seiner Rede. Gerald Hüther hat ein neues Buch geschrieben: Würde. Was uns stark macht- als Einzelne und als Gesellschaft

Der Titel macht bereits sehr neugierig. Kann Würde mich als Einzelnen oder gar die ganze Gesellschaft stark machen? Und Hüther führt den Leser, oder Zuhörer behutsam zu dem Schluss: ja. Und zwar brauchen wir Würde, wie einen Bissen Brot. Dazu erklärt Hüther auch Einiges in dem Interview von Veit Lindau mit Prof. Hüther.

Hüther führt den Leser in seinem Buch durch die Geschichte. Er zeigt wie, die Menschheit mit zunehmender Komplexität ihre Probleme durch Einführung hierarchischer Systeme lösen konnte. Nunmehr steigt die Komplexität durch Digitalisierung und Globalisierung und viele andere Phänomene weiter an. Hierarchie kann diese Komplexität nicht mehr reduzieren. Sämtliche Trends gehen auch in Richtung Gleichberechtigung, flache Strukturen und Demokratisierung. Doch wer sagt uns dann, was richtig und was falsch ist? Wer gibt uns Richtung?

Hüther führt in seinem Buch aus, dass diese Leitung oder Orientierung aus einem inneren Kompass, aus dem zutiefst Menschlichen in uns erwächst. Die Besinnung auf die Würde ist laut Hüther die zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts.

Kinder würdevoll begleiten

Die Würde zu wahren und unsere Kinder voll Würde zu begleiten und würdevoll zu behandeln wäre laut Hüther die Aufgabe von Eltern und Schule in einer Welt, wie sie sich heute zeigt. Kinder die immer wieder Demütigungen erfahren, egal ob durch Noten, ob durch achtlose Worte oder Gesten, ob durch tätliche Angriffe, sind versuchter ihre Probleme mit kurzfristigen Strategien zu lösen. Nach dem Motto: „Klaus war heute so gemein und die Frau Lehrerin auch. Wenn ich zwei Stunden Computer spiele, geht es mir wieder besser.“ Wie gesagt, kurzfristig stimmt das. Langfristig ist diese Lösungsstrategie weder würdevoll noch zielführend. Nach den abgelaufenen zwei Stunden Spiel am Computer verspüren Kinder häufig eine unglaubliche Leere und Sinnlosigkeit. Die Probleme mit Klaus konnten für zwei Stunden vergessen werden, gelöst sind sie jedoch nicht.

Hüther zeigt in seinem Buch, wie wir uns auf unsere Würde besinnen und diese zurückgewinnen können. Er macht klar, dass Würde ein sinnvoller Lösungsweg sein kann für sämtliche Probleme des 21. Jahrhunderts. Schließlich ruft er auf, seine ins Leben gerufene Petition über die Würde zu unterschreiben. Machen Sie doch auch mit!

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Ratschläge bei Schulproblemen!

Ratschläge bei SchulproblemenDiese Ratschläge betreffen die Fortsetzung des am 23.02. geposteten Thema: „Schulprobleme?! Hochbegabt? Lese- oder Rechtschreibstörung? Teilleistungsschwächen?“.

Der Schwerpunkt liegt in den Empfehlungen an die Eltern, die sich aus der klinisch-psychologischen Diagnostik ergeben haben.

Die Empfehlungen an die Eltern basieren auf den Ergebnissen der psychologischen Testverfahren, der Verhaltensbeobachtungen sowie der persönlichen Vorgeschichte des Kindes und der Eltern und den zusätzlich ausgefüllten Fragebögen der Eltern zu einem spezifischen Thema, die das Kind bzw. den Jugendlichen betreffen.

Therapien bei Schulproblemen

Im Prinzip teilen sich die möglichen Behandlungen in zwei große Teilbereiche. Der erste Bereich betrifft die Förderung bestimmter Alltagsfertigkeiten des Kindes, durch sogenannte „funktionelle Therapien“, die im Folgenden kurz dargestellt werden.

Ergotherapie

Ergotherapie bedeutet übersetzt „Arbeitstherapie“ und meint, dass die Ergotherapeutin das Kind in bestimmten schulischen Fertigkeiten trainiert und unterstützt um den Alltag besser zu meistern. Dazu gehört die Förderung der visuellen Wahrnehmung, die für das Erlernen des Schreibens notwendig ist. Manche Kinder haben Schwierigkeiten in der Dosierung der Kraft beim Schreiben, hier wird die die Feinmotorik beim Schreiben geschult. Einige Kinder haben ein regelrechtes Chaos in der Schultasche, finden die Aufgabenstellungen oft nicht, in diesem Falle unterstütz die Ergotherapeutin die Kinder in der Handlungsplanung.

Lesen Sie näheres unter: www.ergotherapie.at

Logopädie

Der Bereich der Logopädie umfasst ein breites Gebiet, beginnend mit der Förderung der Aussprache, der Grammatik sowie der Erweiterung des Wortschatzes. Bei Kindern, die die Laute nicht richtig wahrnehmen und verarbeiten können, kann auch eine Unterstützung seitens der LogopädIn erfolgen.

LogopädInnensuche auf: www.logopaedieaustria.at/logopaedische-therapie-hauptmenu

Physiotherapie

In der Beobachtung können Haltungsproblemen bei Kindern sichtbar werden, die möglicherweise mit Schmerzen verbunden sind. In diesem Falle und bei Kindern, die eine körperliche Einschränkung haben, wird auf die Physiotherapie verwiesen.

PhysiotherapeutInnen finden Sie auf: www.physioaustria.at/og/wien

Psychotherapeutische/Psychologische Behandlung

Kinderpsychotherapie ist ein Spezialgebiet, das eine besondere Qualifikation voraussetzt.

Lesen Sie dazu näheres unter:

www.psychotherapie.at/oebvp/arbeitsbereiche/saeuglings-kinder-und-jugendpsychotherapie

Die erste Hürde besteht natürlich darin Kontakt mit einer Kinderpsychotherapeutin aufzunehmen, es ist nicht leicht mit einer fremden Person über Schwierigkeiten, die das Familienleben betreffen, zu sprechen. Anzumerken ist, dass die (Kinder-)PsychotherapeutInnen einer strengen Verschwiegenheitspflicht unterliegen, dies bedeutet, dass absolut keine Informationen nach außen gelangen dürfen.

Im Erstgespräch lernen sich die Psychotherapeutin, die Eltern und das Kind kennen. Die Psychotherapeutin klärt in diesem Rahmen ab, ob eine behandlungsbedürftige Krankheit vorliegt, wie stark das Alltagsleben der Familie beeinträchtigt ist und welche Ressourcen innerhalb der Familie aktiviert werden können.

Ganz allgemein gilt, dass je jünger die Kinder sind umso mehr gewinnt die Elternarbeit an Bedeutung. Dies bedeutet, dass KinderpsychotherapeutInnen sowohl mit den Kindern arbeiten als auch regelmäßige Elterngespräche führen, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.

Wenn bei den Kindern eine erhöhte Angst im Vordergrund steht, in Zusammenhang mit bestimmten Schulfächern oder aber auch im Kontakt mit Mitschülern u.v.m., wird eine psychotherapeutische Behandlung und/oder Elternberatung empfohlen. Kinder können auch aufgrund der alltäglichen Belastungen in der Schule eine Depression entwickeln, die sich in gereiztem Verhalten, Rückzug, Schlafproblemen und/oder gedrückter Stimmung äußern. In diesen Fällen sind nicht nur die Gefühle der Kinder beeinträchtigt, sondern auch die Leistungsfähigkeit ist meist deutlich vermindert.

Kinder drücken ihre erlebten Belastungen oft auf

eine andere Weise als Erwachsene aus. Wichtig hierbei ist, dass sich die Eltern aufmerksam und offen den Erzählungen ihrer Kinder widmen sowie veränderte Verhaltensweisen, wie Rückzug, Gereiztheit, nicht ignorieren. Wenn sich die Situation nicht verbessert sollte eine professionelle Hilfe hinzugezogen werden.

Das Team Freiraum-Lobau ist spezialisiert auf Kinderpsychotherapie und Kinderpsychologie und steht Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung (http://www.freiraum-lobau.at/team).

Autorin: Mag. Birgit Prislinger

Buchtipp:

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Woran scheitern Grenzen?

Grenzen geben HaltGrenzen zu setzen gibt Halt und Sicherheit. Je klarer Eltern Grenzen setzen und vorgeben können, desto ausgeglichener und sicherer können sich Kinder innerhalb dieser Grenzen ausleben.

So weit, so logisch. Doch woran scheitert es denn so oft?

„Ich will nicht so gemein sein,“ höre ich Eltern sagen. „Ich bin so konfliktscheu und harmoniebedürftig. Ich will keinen Streit mit meinem Kind.“ Bei solchen Worten wird mir dann immer wieder klar: „Hier liegt eine Verwechslung vor.“

Grenzen haben nichts mit Streit oder Disharmonie zu tun.

Grenzen sind etwas Klares und Liebevolles. Und das ist überhaupt kein Wiederspruch. Eine Grenze, die niemand setzt kann man auch nicht respektieren.

Unklare Grenzen bewirken das Gegenteil. Eine Grenze aufzuzeigen, zu der man nicht ehrlich steht, bewirkt mehr Unklarheit und Unsicherheit als vorher. Dadurch entstehen Gefühle der Angst und oftmals auch des Zorns.

Wodurch kennt das Kind den Unterschied zwischen Streit und Grenzen?

Der Unterschied liegt darin, ob Sie dabei in Kontakt mit Augen, Haltung, Mimik, Gestik und räumlicher Nähe bleiben oder den Blickkontakt meiden, Zorn oder Rückzug in ihrer Haltung ausstrahlen. Das Gegenüber erkennt sofort, ob es sich um eine Grenze in Liebe oder Streit handelt.

Welche innere Haltung nehmen Sie ein?

Man kann die Haltung einnehmen: „Stopp, hier geht es nicht weiter…. Und du bist mir sehr wichtig.“ Oder eine Haltung wie: „Spinnst du, das kannst du doch nicht machen.“ Diese Haltungen spiegeln sich jedenfalls in ihrer Mimik, Gestik, der Art wie sie atmen und sogar der Herzfrequenz , auch ohne tatsächlich ausgesprochene Worte.

Die zuerst genannte Art gibt Auskunft darüber, wo ihre persönlichen Grenzen liegen. Es wird lediglich liebevoll darauf hingewiesen, wo Sie Ihre persönliche Grenze ziehen. Sie geben Ihrem Kind die Chance, diese Grenzen auch zu respektieren. Dadurch steigt das gegenseitige Vertrauen.

Die zweite Position wirkt wie ein Angriff und fordert vom Gegenüber eine Verteidigungs- oder Rückzugshaltung. Der Kontakt zwischen Ihnen und Ihrem Kind ist dann jedenfalls kurzfristig unterbrochen.

Kontaktabbruch ist im subjektiven Erlebe sehr unangenehm, da speziell Kinder, von der Bindung zu ihren Eltern, vom sozialen Austausch, von der Hilfe und Liebe ihrer Eltern abhängig sind. Kinder, aber in Wirklichkeit alle Menschen brauchen andere Menschen, brauchen sozialen Austausch, Verbindung und Beziehung. Ohne soziale Interaktion können wir nicht leben.

Daher wollen Eltern keinen Streit und nicht gemein sein. Das will tatsächlich niemand!!! Grenzen zu setzen bedeutet jedoch nicht Streit. Grenzen zu setzen bedeutet, den Kontakt in, Blick, Gestik, Mimik, in innerer und äußerer Haltung aufrecht zu erhalten. Eine gut und klar gesetzte Grenze ist ein liebevoller Akt und zeugt davon, dass Ihnen Ihr Kind wichtig ist.

Mehr zu diesen und anderen Themen der Erziehung und Begleitung von Kindern im Seminar: Erziehung ist (k)ein Kinderspiel.

Autorin: Karin Haiderer

Buchtipp:

Jesper Juul

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Full-time Job Mama

Frauen, die sich bewusst gegen Job und für Familie entscheiden, gelten fast schon als Exoten. Ein Plädoyer für einen Full-time Job, dem es oft an Wertschätzung mangelt.

Was, du bleibst wegen der Kinder zu Hause?Mutter und Kind

So, reagieren die meisten irritiert, wenn frau heutzutage zugibt, ihr Beruf sei Hausfrau und Mutter. Oft folgt dann die besorgte Nachfrage: „Ist das auf Dauer nicht langweilig?“ Keineswegs! Denn Mama zu sein ist ein Fulltime-Job – ohne fixe Arbeitszeiten, dafür mit einer Abrufbereitschaft rund um die Uhr, wechselnden Aufgabenbereichen – und nicht zu vergessen, einem durchaus emotionsgeladenen „Betriebsklima“. Für Sabine Mänken, Bettina Hellebrand und Gabriele Abel, die Herausgeberinnen des Buches „Die verkaufte Mutter“, sind Mamis „Frauen, die jenseits unseres Zeitgeistes ihr Muttersein ernst nehmen; die die Bedürfnisse ihrer Kinder fühlen. Und sich diesen stellen. Im Wissen, durch die eigene Präsenz Räume zu schaffen, die Ruhe, Beziehung, und Kreativität ermöglichen.“

Können sich Familien das leisten?

Und trotzdem: Die Freiheit dieser Frauen, die sich trotz beruflicher Chancen, für die Familie und somit gegen einen betreuten Krippen- oder Ganztagsschulplatz entscheiden, scheint immer eingeengter. Kaum eine Familie kann es sich noch leisten, dass nur ein Elternteil arbeiten geht. Wer in Österreich nach zwei Jahren nicht an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehrt, verliert diesen. In Italien oder Spanien, endet der Mutterschutz gar schon nach vier Monaten. „Die ganz persönlichen Einstellungen, Erfahrungen und Lebensbedingungen der Frauen, die ein Zuhause für Kinder bewusst gestalten, werden nicht gehört“, klagen Mänken, Hellebrand und Abel unisono. Dafür bewirbt die Politik lautstark die „frühe Bildung“ in Kiga, Kita oder Schule. Eltern wird der Eindruck vermittelt, sie könnten ruhig arbeiten gehen und die Erziehung ihrer Kinder dem geschulten Fachpersonal überlassen. Durchaus! Doch wenn nicht? Dann erfordert es besonderen Mut sich all dem entgegenzustellen. Daher: Chapeau! Hut ab und Danke, liebe Mamas, für Euren Einsatz. Das muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden.

Achtung: Burn-out Gefahr!

Mama sein ist ein Full-time Job. Wer also zusätzlich noch arbeitet, hat also eigentlich zwei Jobs gleichzeitig. Machen wir uns das klar, wird deutlich, warum wir einer gefährlichen Tendenz entgegensteuern. Burnout ist keine Erfindung der heutigen Gesellschaft sondern ein ernst zunehmender Überlastungszustand.

Wenn die Anerkennung fehlt… Burnout bei Müttern kommt immer häufiger vor

Kinder, Küche, Haushalt – in der Familie gibt es immer was zu tun. Doch selten gibt es hierfür die nötige Anerkennung. Dabei kommen gerade bei Müttern Burnout- und Überlastungszustände sehr häufig vor. Oft werden die Anzeichen dafür allerdings übergangen und nicht ernst genommen. Doch wer viel leistet, sollte auch viele kleine Pausen zwischendurch einlegen. Daher: Selbstfürsorge nicht vergessen – und dabei auch die Hilfe von Großeltern und Partner einfordern!

„Unser Gesellschaftssystem braucht Ganztagsschulen und Krippen. Kinder brauchen vor allem geborgene Beziehungserfahrungen“

Autorin: Nina Petz

Buchtipp:

5 Wochen Rabenmutter

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Weitere Buchtipps:

 

Psychotherapie backstage

Einblicke in die psychotherapeutische Praxis

Einblicke in die psychotherapeutische PraxisDie Vorbereitungen für den Tag der offenen Tür laufen auf Hochtouren. Freiraum-Lobau freut sich die Tore aufzumachen! Von 10:00 bis 13:00 am 14. April 2018 haben Sie die Chance Psychotherapeuten mit Fragen zu löchern, die Räumlichkeiten zu besichtigen oder spannenden Kurzvorträgen zu lauschen. Nutzen Sie die Gelegenheit die Therapeutinnen persönlich kennen zulernen und sich ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen. Der große Garten wird geöffnet sein. Angebote im Sinne des kreativen Spiels stehen für Kinder und Erwachsene zur Verfügung.

Das engagierte Team, bestehend aus Psychotherapeutinnen und einer Psychologin, das nun weiter gewachsen ist, beherbergt nun auch zwei Cranio Sacral Therapeutinnen, Bettina Bolzer und Ulrike Kerschbaum. Auch dieses Team wird am Tag der offenen Tür vertreten sein und für Fragen zur Verfügung stehen.

Freiraum-Lobau dankt für die Unterstützung durch die Gesunde Gemeinde Groß-Enzersdorf, vertreten durch DI Dr. Peter Cepuder.

Patchworkfamilien – meine, deine, unsre

Patchwork-Familie

In Österreich leben rund 9 % aller minderjährigen Kinder in sogenannten Patchworkfamilien. Der Begriff bezeichnet einen bunten Mix verschiedenster Mitglieder unterschiedlicher Familien, die aufgrund einer neuen Partnerschaft zusammengeschlossen sind und demnach eine neue Familie bilden.

Meine, deine, unsre Kinder

So leben laut Österreichischem Institut für Familienforschung der Universität Wien (OIF) „Familien in Zahlen 2017“, 67.056 Patchwork/Stieffamilien mit minderjährigen Kindern in Österreich. Dies entspricht rund 9% aller Familien in Österreich.

Stieffamilien gibt es schon lange. Früher allerdings vermehrt durch den Tod eines Elternteils, haben sich neue Partnerinnen und Partner zu einer neuen Familienkonstellation zusammengefunden. In neuester Zeit sind es weniger die Sterbefälle, sondern Scheidungen und das Finden neuer Partnerinnen und Partner, aus denen dann neue Patchworkfamilien entstehen.

Eigentlich ist es wunderschön. Zwei Menschen lernen sich kennen und verlieben sich ineinander. Eine neue, aufregende Beziehung entsteht. Beide haben Kinder und beschließen nach langen Gesprächen und Überlegungen, dem jeweils anderen, die eigenen Kinder vorzustellen.

Das Abenteuer „Patchworkfamilie“ beginnt.

Mit dem Kennenlernen der neuen Partnerin/des neuen Partners und den jeweiligen anderen Nachkommen stellen sich alle Beteiligten den unterschiedlichsten Herausforderungen und Situationen, die sie sich zuvor so in der Art und Weise nicht hätten ausmalen können.

Da sind die Kinder, die plötzlich anderen gegenüberstehen, aber nicht nur denen. Der Nachwuchs erlebt, dass die jeweils wichtige Bezugsperson jemand anderen liebt, als die „richtige“ Mama/den „leiblichen“ Papa. So können Loyalitätskonflikte entstehen, denn eigentlich wünschen Kinder sich meist, dass die Ursprungsfamilie wieder zusammenzieht und sich verträgt.

Zeit und Gespräch wichtig für ein gutes Gelingen

So gilt es nicht, die Mama/den Papa durch die neue Partnerin/den neuen Partner zu ersetzen. Es gilt, ihn zusätzlich als eine Person in das Leben des Kindes/der Kinder zu bringen. Da heißt es, dass alle Beteiligten sich kennen lernen und vertrauen lernen müssen. Dies braucht Zeit und Geduld. Wichtig für eine gute Basis bildet das Gespräch miteinander. Je klarer den Erwachsenen ist, dass die Kinder und auch sie selbst, Zeit brauchen um miteinander einen gangbaren Weg zu finden um die Patchworkfamilie miteinander zu gestalten, desto eher kann Gelassenheit in manche noch so herausfordernde Situation gelangen.

Konflikte nicht unter den Teppich kehren

Klar ist, dass es in Patchworkfamilien genauso wie in der Ursprungsfamilie auch, miteinander Konflikte geben wird. Wer darf wen um was bitten? Was darf wer wann wo entscheiden? Und wie viel Vertrauen hat welches Familienmitglied zu welchem? Viele unzählige Faktoren spielen mit, damit das Konstrukt Patchworkfamilie auch tragfähig werden kann. Unter anderem zählt da auch dazu, welche Gespräche über was zugelassen werden können und welche Themen nicht angebracht sind. So ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche Fragen stellen dürfen und sich Hilfe von den Erwachsenen erwarten können, denn sie sind es, die sich oftmals schwerer tun, in solchen neuen Situationen zurechtzukommen. Oft ist in den Köpfen der Kinder eine Vorstellung davon, dass sie selbst durch ihr Verhalten beeinflussen können, dass der „leibliche“ Elternteil wiederkommt. Sie müssen nur dieses oder jenes tun und schon haben sich Mama und Papa wieder lieb.

Ein neues Baby

Oftmals ist es so, dass es in der neuen Situation der Patchworkfamilie nicht nur neue „Geschwister“ mit einziehen, sondern auch ein Baby geboren wird. Hier kann Eifersucht der bereits geborenen Kinder entstehen und das Gefühl, dass die Bezugspersonen das Baby viel lieber haben. Auch hier hilft es dem Nachwuchs meist sehr, wenn es eingebunden ist und sich mit den Erwachsenen zusammen auf den neuen Erdenbürger freuen kann. Das Erleben, dass ein Baby zwar mehr Aufmerksamkeit braucht, aber die Liebe zu dem größeren Kind nicht aufhört, kann den Zusammenhalt in einer Patchworkfamilie durchaus stärken und fördern.

Jede Familie ist anders

Bei alledem ist wichtig, dass sich Eltern im Klaren darüber sind, dass jede Patchworkfamilie anders ist und es bei allem Austausch und Gespräch klar sein muss, dass jede Familie ihre eigenen Werte, Wünsche und Vorstellungen hat. Keine Patchworkfamilie gleicht der anderen!

Autorin: Dipl.-Päd. Andrea Leidlmayr, BEd

Schulproleme?! Hochbegabt? Lese- oder Rechtschreibstörung? Teilleistungsschwächen?

Schulschwierigkeiten

Was kann die klinisch-psychologische Testung?

Schulprobleme können das Leben von Kindern/Jugendlichen und deren Familien sehr beeinträchtigen. Angefangen von Hänseleien gegenüber dem Kind in der Klasse, über Schwierigkeiten mit der Lehrerin bis hin zum erhöht erlebten Druck, finden sich alle erdenklich möglichen Schwierigkeiten. Schwierigkeiten, die das Seelenleben eines Kindes negativ beeinflussen. Die klinisch-psychologische Testung hilft Klarheit zu verschaffen um so einen optimalen Behandlungsplan, der für Eltern und Kind Erleichterung verschafft, zu entwickeln.

Ablauf einer klinisch-psychologischen Testung bei Kindern und Jugendlichen im Leistungsbereich

Erstgespräch

Zunächst werden sämtliche Informationen über das Kind zusammengesammelt. Dabei werden natürlich die Eltern stark einbezogen. Es wird gemeinsam herausgefunden, seit wann die Problematik besteht, wie die Säuglings- und Kleinkindzeit  verlaufen ist, welche prägenden Ereignisse vorgefallen sind, wie sich das Kind allgemein entwickelt hat, uvm. Besonders wichtig ist mir, auf jedes Kind speziell einzugehen und herauszufinden, wie das Kind die bestehende Problematik für sich erlebt und bewertet. Welche Werkzeuge stehen dem Kind zur Verfügung , mit belastenden und schwierigen Situationen umzugehen. Das Ziel des ersten Gespräches ist es, Ideen zu sammeln, welche Faktoren zu den Schwierigkeiten geführt haben könnten. 

Testung

Ich lege besonderen Wert darauf, dass die Auswahl der klinisch-psychologischen Testverfahren individuell auf die Problematik des Kindes abgestimmt ist. Die Testung soll die Annahmen des Erstgesprächs wissenschaftlich überprüfen oder widerlegen. Folgende Tests kommen bei Schulproblemen unter anderem zum Einsatz:

  • Entwicklungstests (Kindergarten, Vorschulalter)
  • Intelligenztests (Schulalter)
  • Leistungstests (Erhebung spezieller Fertigkeiten, wie bspw. Handlungsplanung)
  • Konzentrationstests

Bei der Durchführung der Testung beobachte ich die Herangehensweise des Kindes an Aufgabenstellungen sehr genau. Dabei finde ich zum Beispiel heraus, ob das Kind verunsichert ist, sich zu wenig zu traut, es leicht ablenkbar ist und wie hoch die sogenannte Frustrationstoleranz beim Kind ist.

Die Intelligenztestung kann bereits auf eine Über- oder Unterforderung hinweisen, beide Umstände sind belastend, in erster Linie für das Kind und in weiterer Folge auch für die Familie. Im Falle einer Unterforderung (Hochbegabung) weist das Kind/Jugendlicher einen weit überdurchschnittlichen Intelligenzwert (> 130) auf. Im Falle einer Überforderung, kann es einerseits sein, dass die allgemeine Leistungsfähigkeit des Kindes unter dem Altersdurchschnitt liegt und das Kind dadurch einem dauerhaften Stress in der Klasse ausgesetzt ist. Eine Überforderung kann auch entstehen, wenn das Kind gut durchschnittlich begabt ist, jedoch in einem oder mehr Teilbereichen eine Schwäche aufweist, wie bspw. eine „visuelle Teilleistungsschwäche“. Dies würde bedeuten, dass es dem Kind schwer fällt von der Tafel abzuschreiben bzw. Objekte zu erkennen und unterschiedlich wahrzunehmen.

Teilleistungsschwächen können mittels oben angeführtem Testmaterial in der Raum-Lage-Wahrnehmung, in der Graphomotorik, in der Visuomotorik, in der auditiven Wahrnehmung, im Lesen, Schreiben und Rechnen, u.v.m. diagnostisch erfasst werden.

Mehr über Behandlungsmöglichkeiten bei Schulproblemen gibt es am 23.03.2018!

Autorin:  Mag. Birgit Prislinger