Warum Lesen für Kinder so wichtig ist.

Kind beim LesenVon Vampirmädchen, Sandwölfen und verliebten Skatern: Unsere Freiraum Lobau-Lesetipps für Kinder und Jugendliche

Die Sommerferien nahen mit großen Schritten. Es sind nur noch wenige Woche und wahrscheinlich stecken viele Eltern auch schon mitten in den Planungen. Doch ganz gleich ob ihr Nachwuchs den Urlaub z.B. am Meer verbringt, mit anderen Jugendlichen beim Sportkurs am Semmering oder bei Oma und Opa in der Wachau, ein gutes Buch hat immer Platz im Reisekoffer! Immerhin ist Lesen ist nicht nur ein Zeitvertreib für die kalten Monate am kuscheligen Sofa daheim. Gerade die Sommerferien bieten den Jüngeren die Möglichkeit, sich auch eimal auf eine längere Geschichte einzulassen und sich gemütlich, vielleicht auf einer grünen Almwiese, am schattigen Badesteg oder abends auf „Balkonien“, den Bildern im Kopf hinzugeben.

Lesen ist wichtig. Ja, eh… aber warum eigentlich?

Fantasie und Kreativität

Lesen regt die Fantasie und die Kreativität an; es beflügelt die Gedanken und bringt Kinder auf (andere) Ideen.

Lesen bildet

Lesen macht schlau. Klar, der Inhalt, die Geschichte eines Buches kann Wissen vermitteln und so den Nachwuchs fördern. Aber auch der Vorgang des Lesens an sich macht bereits klug. Beim Lesen erweitert der Nachwuchs seine Sprachkompetenz und ganz unbemerkt erweitert sich sein gesamtes Vokabular. Nachgewiesen ist auch, dass Kinder, die viel lesen, ganz automatisch lernen sich gewählt auszudrücken.

Ruhe, Entspannung und Erholung

Lesen ist einerseits etwas Aktives, dennoch wirkt es unglaublich entspannend. Eine Pause vom Alltag, abtauchen in eine Fantasiewelt, all das hat etwas von Entschleunigung und kann Ruhe und Ausgleich verschaffen.

Eltern-Kind-Bindung

Gemeinsames Lesen stärkt die Eltern-Kind-Bindung enorm! Gemeinsames Mitfiebern, Mitleben mit den Charakteren einer Geschichte verbindet und schafft oft Erinnerungen fürs Leben. Des Weiteren ist es oft gemeinsame Kuschelzeit und viel liebevoller Körpekontakt.

Bei so viel positiven Aspekten des Lesens, wollen wir Sie nun nicht länger auf die Folter spannen.

Hier sind unsere Freiraum Lobau-Buchtipps für Kinder und Jugendliche:

„Wenn Glühwürmchen morsen“

von Ralph Caspers (Thienemann Verlag) (ab 6 Jahren)

Der Autor ist bekannt aus „Die Sendung mit der Maus“ und Wissen macht Ah!“. Lustige, liebevolle und überraschende Vorlesegeschichten mit fantastischen Elementen, die man nicht vergisst.

„Ein Freund wie kein anderer“

von Oliver Scherz mit Bildern von Barbara Scholz (Thienemann Verlag) (ab 6 Jahren)

Ein Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Wolf und Erdhörnchen, die bald auf eine harte Probe gestellt wird…

Den Buchtrailer finden Sie unter:

https://www.youtube.com/watch?reload=9&v=nH0hb7U0yl8

„Polly Schlottermotz – Walfisch Ahoi“

von Lucy Astner (Thienemann Verlag) (ab 8 Jahren)

Der fulminante Abschlussband der beliebten Mädchenserie. Polly Schlottermotz ist ein Vampirmädchen mit Zauberkraft, die die wildesten und lustigsten Abenteuer besteht. Diesmal geht es um das sinkende Hausboot Ihre Tante, die gemeinen Finsterfürsten und einen Wal im Kanal… Chaos, Spannung und Unterhaltung vorprogrammiert! Schnell noch lesen, bevor der Film kommt… Drehbeginn steht schon vor der Tür.

„Zoya – Heldin der Lüfte“

von Dan Walker (Thienemann Verlag) (ab 8 Jahren)

Abenteurliche Fantasygeschichte über ein selbstbewusstes Waisenmädchen, das sich sogar gegen Luftpiraten zu wehren weiß. Spannend bis zur letzten Seite – für Buben und Mädchen geeignet!

„Fritzi Klitschmüller – Geheimkram Alarm!“

von Britta Sabbag (Thienemann Verlag) (ab 8 Jahren)

Fritzi ist eigenwillig, frech und unkonventionell, kurz: eine starke Mädchenheldin. Im zweiten Band des beliebten Kinderbuches geht es um Fritzis Schulwechsel, ein Vorsingen und wie der Titel schon sagt, ein Geheimkramprojekt…also psssst!

„Zackarina und der Sandwolf“

(Gulliver von Beltz & Gelberg Verlag)(ab 7 Jahren)

Philosophisches Kinderbuch mit Geschichten aus dem Leben von Zackarina, dem Mädchen, das, wenn sie sich langweilt, zum Strand geht, um sich mit ihrem Freund, dem Sandwolf, zu besprechen.

40 tiefgründige, augenzwinkernde Geschichten über Freundschaft, Tod, die Unendlichkeit des Universums, schmutzige Schuhe und schimpfende Eltern…

Eines meiner ganz persönlichen Lieblingsbücher!!

Jugendbuch

„Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert“

von Judith Rossell (Thienemann Verlag) (ab 10 Jahren)

Als die 11-jährige Stella sich heimlich aus dem Hotelzimmer ihrer drei schrulligen Tanten schleicht, wird sie plötzlich Zeugin eines mysteriösen Verbrechens. Ein warmherziger, stimmungsvoller und magischer Roman über ein außergewöhnliches Mädchen, das mutig für das Gute einsteht und ein bezauberndes Leseabenteuer für Groß und Klein – und für Fans des viktorianischen Zeitalters!

„Manchmal dreht das Leben einfach um“

von Kathrin Steinberger (Verlag Jungbrunnen) (ab 15 Jahren)

Mein ganz persönlicher Geheimtipp!!

Keine Neuerscheinung aber, wer es noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt nachholen. Nachdem ich zufällig ein Radiointerview mit der Autorin gehört habe, habe ich mir das Buch gekauft – und es in einer Nacht ausgelesen. Gelacht, geweint…einfach grandios! Schon mehrmals weiterempfohlen und auch dort wurde es ähnlich „verschlungen“.

Worum gehts?

Die hochbegabte Ali verliebt sich in den jungen Skater Kevin, der wegen eines Unfalls seine Karriere beenden musste. Eine besondere, ehrliche Liebesgeschichte mit vielen Wendungen.

Für Mütter und Töchter!

„Good Night Stories for Rebel Girls – 100 außergewöhnliche Frauen“

von Elena Favilli und Francesca Cavallo (Carl Hanser Verlag) (ab 12 Jahren)

100 inspirierende Geschichten über beeindruckende Frauen, die jedem Mädchen Mut machen, an seine Träume zu glauben. Plus: Illustriert von über 60 Künstlerinnen aus aller Welt.

„Scheiße bauen: sehr gut“

von Tobias Steinfeld (Thienemann Verlag) (ab 12 Jahren)

Gymnasiast Paul macht ein Schnupperpraktikum in einer Förderschule. Doch es kommt zu einer Verwechslung und so nimmt Paul die Rolle eines neuen Schülers ein und lernt Schule und Schüler ganz anders kennen. Hinreißend komischer und warmherziger Unterhaltungsroman rund um die Themen Inklusion, Toleranz und Freundschaft.

„Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“

von Steven Herrick (Thienemann Verlag) (ab 13 Jahren)

Australischer Bestseller! Voller Poesie und Zartheit erzählt Steven Herrick vom Leben seines Helden Harry am Land. Schwimmen im Sumpf, Böller loslassen, auf einen Baum klettern und Leute beobachten – das sind Harrys Lieblingsbeschäftigungen. Über die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens eines Jugendlichen.

 

Autorin: Eltern-Kids-Coach Nina Petz

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Schlafen Kinder im Kinderzimmer oder im Elternbett?

Schlaf KinderSchlafen, aber wo?

Viele Eltern richten vor der Geburt des Babys das „perfekte Kinderzimmer“ für den Familienzuwachs her. Doch kaum ist der neue Erdenbürger da, stellen sie fest: Das Baby lässt sich nicht so einfach ins eigene Bettchen ablegen und schläft dann friedlich. Neben Mami im Elternbett hingegen schlummert die ganze Familie besser.
Doch plötzlich wissen es alle anderen besser und die Eltern sind verunsichert. Doch keine Gute Idee den Nachwuchs bei sich schlafen zu lassen?
Ob Bettchen im Kinderzimmer, Beistellbett oder Baby im Familienbett- diese Entscheidung sollten alle Eltern selbst treffen und sich auf ihr Gefühl verlassen.

gemeinsame Schlafrythmen entwickeln sich im gemeinsamen Bett

Fakt ist, so auch Nicola Schmidt in ihrem Buch „artgerecht, Das andere Babybuch“: „Wenn Eltern und Kinder nach der Geburt gemeinsam schlafen, etablieren sich gemeinsame Schlafrythmen. Das heißt, wenn das Baby in eine leichtere Schlafphase kommt, geht Mama mit und umgekehrt.“
Fakt ist auch: Es ist Unsinn, dass Kinder, die im Familienbett mit den Eltern schlafen sich dort für den Rest ihres Lebens einquartieren. Im Gegenteil, Kinder, die sich geborgen und sicher fühlen und wissen, sie können jederzeit zu den Eltern kommen, ziehen ganz von selbst irgendwann, oft zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr ins eigene Bett um.

Unabhängigkeit durch Co-Sleeping

Meret Keller und Wendy Goldberg von der Universität Kalifornien veröffentlichten 2004 eine Studie zum „Co-Sleeping“ (Familienbettkinder). Hierbei untersuchten sie Mütter und ihre Vorschulkinder daraufhin, ob Co-Sleeping die Unabhängigkeit von Kindern eher fördert oder behindert.
Die Ergebnisse:
– Alleinschläfer schliefen allein ein, schliefen die Nacht durch und wurden früher abgestillt als Familienbettkinder.
– Familienbettkinder waren selbständiger (sie konnten sich zum Beispiel früher allein anziehen) und sozial unabhängiger (sie fanden zum Beispiel neue Freunde ohne Hilfe der Mutter).
Familienbettkinder entwickeln sich anders als Alleinschläfer. Sie brauchen wie auch Sears in seinem Buch … sagt, für manche Entwicklungsschritte länger, vor allem das Allein-Einschlafen und später das Durchschlafen. Dafür stärkt das Familienbett ihre sozialen Fähigkeiten und oft schlicht ihr Selbstbewusstsein.

Das Kind schläft mit 10 noch immer im Bett der Eltern. Was tun?

Ab einem gewissen Alter jedoch ist das Schlafen im Elternbett für alle Beteiligten nicht mehr angenehm und ist nicht selten Ausdruck, das etwas im Familiengefüge nicht ganz stimmig ist. Häufig ist auch eine übergroße Ängstlichkeit der Kinder Grund dafür. Hier ist liebevolles Verständnis und klare Grenzen im Sinne dessen was die ganze Familie braucht von Nöten. Psychotherapeutische Beratung kann hier sehr hilfreich sein.

Autorin: Nina Petz

Buchtipp: Artgerecht, Das andere Babybuch“  von  Nicola Schmidt

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Die Jugend von heute ist genau das was wir brauchen

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Jugend von heuteSteht es um unsere Jugend wirklich so schlimm wie alle sagen? Die deutsche Autorin Julia Dibbern ist sich sicher, dass es nicht so ist und plädiert in ihrem kurzweiligen Ratgeber „Die Tyrannenlüge – Warum unsere Kinder genau das sind, was die Welt von morgen braucht“ für mehr Gelassenheit im Umgang mit der Next Generation. Das Freiraum Lobau-Team hat das Buch vorab für Sie gelesen. Warum Sie es auch tun sollten, lesen Sie hier.

Wir wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Können wir es nicht versuchen, eine ganz neue Art von Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen? Und wo sollte man anfangen? Ich glaube, wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.“

Mit diesem berühmten Zitat Astrid Lindgrens aus ihrer Rede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises des Deutschen Buchhandels 1978 beginnt auch das neue Buch von Julia Dibbern. Die deutsche Weltenbummlerin – sie lebt mal in Hamburg, mal in Kalifornien, mal „anderswo in der Welt“ – ist nicht nur erfahrene Autorin zahlreicher Ratgeber, wie Verwöhn dein Baby nach Herzenslustoder Slow Family – sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern , sondern auch Mitbegründerin des wunderbaren artgerecht Projekts , Fachjournalistin für Nachhaltigkeit und, wie sie selbst schreibt, „Mutter eines phantastischen Teenagers“.

Disziplin, Respekt und Leistungsbereitschaft vs. Gelassenheit und Fröhlichkeit

Laut, sehr laut, hörte man in letzter Zeit immer wieder die Rufe Älterer nach mehr Disziplin, Respekt und Leistungswillen im Kinderzimmer. Und so bedacht ich bisher meine Rezensionsexemplare gewählt habe, so bewusst habe ich mich auch dieses Mal gegen einen der zahlreichen „Tyrannenkinder“-Titeln entschieden, die gerade die Bestsellerlisten stürmen und auf die auch Julia Dibbern im Buchtitel anspielt. Wenngleich ich auch verstehe, worauf diese abzielen, finde ich es alles andere als eine geeignete Sprache, um Eltern mit Herausforderungen im alltäglichen Familienleben zu begegnen.

Die positive Einstellung zu Kindern und dem Leben macht den Unterschied

Dibbern ist zwar keine Therapeutin, beschäftigt sich aber seit vielen Jahren persönlich und journalistisch mit erzieherischen Themen. Sie gibt auch ganz offen zu, dass sie nicht sagen könne, wie man mit Geschwisterstreit umgehen oder Konflikte beim Zähneputzen vermeiden soll.„Worin ich aber Wirklich gut bin, ist, eine positive Einstellung zu Kindern und dem Leben insgesamt zu entwickeln, die zu mehr Gelassenheit und Fröhlichkeit führt.“ Dies beschreibt die Essenz dieses erfrischend positiven Buches. Dibbern bestärkt Eltern darin, ihre Kinder liebevoll zu erziehen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und zu verstehen. Der allgemeinen Panikmache rund um die Jugend von heute nimmt sie den Wind aus den Segeln. Sie ist sich sicher, die Welt von morgen braucht keine Ja-Sager, sondern mutige, kreative und sozial kompetente, junge Menschen, die anstehende Probleme auf ihre ganz eigene Weise lösen.

Vertrauen und der Glaube an sich und die Kinder

Die Tyrannenlüge“ ist eine herrliche Lektüre für den Sommer. Der Leser wird auf eine positive Welle aus Vertrauen zu den eigenen Kindern und zu sich selbst mitgezogen. Eltern werden ermuntert – abseits der Flut der immer gleichen Erziehungsratgeber – mehr an uns selbst und die eigene Familie zu glauben, und dies auch 110%-ig zu leben!

Die Autorin zeigt einfach, klar und anhand fundierter Fakten auf, dass die Next Generation keinesfalls mehr hohle Strenge oder gar Bestrafung braucht, sondern vielmehr dass die meisten Eltern heutzutage einen ziemlich guten Job machen.

Dibbern wünscht sich, „dass Eltern wissen, dass niemand auf Methoden aus dem letzten Jahrhundert zurückgreifen muss, um ein entspanntes Familienleben zu haben.“ Das unterschreibe ich gerne!

Trotzdem erlebe ich in meiner Praxis immer wieder Eltern am Rande der Ratlosigkeit und Verzweiflung. Dass die Gelassenheit entschwindet kann einmal sein, kann passieren und darf sein. In diesem Fall: Melden Sie sich jederzeit gerne bei uns! Freiraum Lobau bietet auch Elternberatungen an. Das Leben stellt uns und unsere Kinder vor viele Herausforderungen, nicht alle müssen oder können wir alleine meistern.

Autorin: Nina Petz

Buchtipp: Die Tyrannenlüge von Julia Dibbern

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„Schlägerei unter Jugendlichen“, „Cyber-Mobbing in Schulklasse“ – die Medienberichte zeichnen derzeit nicht gerade ein optimistisches Bild unserer Jugend. Neufeld führt das auf die Gleichaltrigenorientierung zurück.

Gleichaltrigenorientierung
Straffällige Jugendliche haben eins gemeinsam: Sie haben keine sichere Bindung an ihre Eltern. Daher sollen diese ihre Autorität als „Leitwölfe“ ernst nehmen – gerade in der Pubertät.

„In der Pubertät haben wir einfach nichts mehr zu sagen.“ Diesen Satz hört man häufig, wenn man sich mit Eltern von Kindern im Teenager-Alter unterhält. Und fast schon resignierend fügen sie oft hinzu: „Meinem Kind sind nur seine Freunde wichtig – alles was wir sagen, ist uncool. Aber wir waren in der Pubertät ja auch nicht anders. Das ist scheinbar normal.“ Beim kanadischen Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld schrillen bei solchen Sätzen die Alarmglocken. Er arbeitet viel mit delinquenten Jugendlichen. „Schwierige Kinder“ sind seit Jahren sozusagen sein Hauptgeschäft. Er ist davon überzeugt, dass es höchst an der Zeit ist, in der Kindererziehung umzudenken. „Studien belegen, dass straffällige Jugendliche eines gemeinsam haben: Sie haben keine sichere Bindung an ihre Eltern oder andere erwachsene Bezugspersonen. Diese jungen Menschen sind vor allem auf ihre Altersgenossen fixiert. Diese haben den Platz der Eltern übernommen und von diesen übernehmen die Jugendlichen ihre Werte, Gedanken und Ideen.“ Doch wie können unerfahrene Jugendliche sich gegenseitig Orientierung fürs Leben geben und dabei helfen, Entwicklungsaufgaben zu meistern? „Es klappt eben nicht, und genau das ist das Problem der Gleichaltrigenorientierung“, so Neufeld. Er setzt den Hebel bei den Eltern an. Diese sollten nie aufhören sich einzubringen – vom Babyalter bis zum Ende der Pubertät – denn nur eine sichere Eltern-Kind-Bindung sei die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung.

Elterliche Autorität ist gefragt

GleichaltrigenorientierungNeufeld will Eltern dazu ermutigen, ihre elterliche Autorität wieder ernst zu nehmen. „Mama und Papa sollen wieder führen. Der Nachwuchs soll wieder zu den Eltern aufschauen können, ihnen vertrauen und sich nach den Eltern richten – und nicht nach den Schulfreunden“. Auch der dänische Erziehungsexperte Jesper Juul sieht viel mehr Eltern als „Leitwölfe“, die sowohl Vorbilder sein sollen als auch Verantwortung für die Qualität der Beziehung zu ihren Sprösslingen übernehmen sollen. Juul spricht vom Ende des „Kuschelkurses“. Dabei geht es folglich nicht um eine autoritäre Erziehung per se. Strafen, wie Zimmerarrest, wirken eher manipulativ, ein Verhaltensdrill würde die Eltern-Kind-Bindung nur nachhaltig schädigen, warnen die Experten. Gerade in Krisensituationen gilt es gemeinsam an der Beziehung zu arbeiten, den Nachwuchs „zu sich zu holen“ und den Kontakt zu den Gleichaltrigen einzuschränken. „Eine enge, gute Bindung schafft, dass Kinder zuhören und kooperieren möchten“, ist sich Neufeld sicher. Eltern können sich daher vom Druck befreien, „cool“ sein zu müssen. Wichtig ist vielmehr, dass sie authentisch und für Ihre Kinder der Nähe- und Ankerpunkt sind. „Nicht was wir tun als Eltern ist wichtig, sondern wer wir sind als Eltern für unsere Kinder“, so Neufeld.

Elterliche Bindung für große und kleine Kinder wichtig

Auch das oft genannte „Fremdeln“ von Kleinkindern lässt sich durch diese Bindungstheorie leicht erklären. Denn die kindlichen Vorbehalte vor neuen Personen stellen sicher, dass die Bindung zu Mama und Papa enger wird. Emotionale Szenen bei der Eingewöhnung in Krippe oder Kindergarten sind für den Experten nicht verwunderlich, ganz im Gegenteil: „Kinder gehören nicht zu Kindern, sondern zuerst zu ihren Eltern. Natürlich sind Freunde wichtig, aber zur Ausformung einer stabilen Persönlichkeit ist es entscheidend, dass die Eltern-Kind-Bindung nicht mit dieser zu Gleichaltrigen konkurriert“.

Autorin: Nina Petz

„Kinder gehören nicht zu Kindern, sondern zuerst zu ihren Eltern. Für eine stabile Persönlichkeit ist es entscheidend, dass die Eltern-Kind-Bindung nicht mit dieser zu Gleichaltrigen konkurriert.“ – Gordon Neufeld (Unsere Kinder brauchen uns)

Buchtipp von Freiraum-Lobau:

Unsere Kinder brauchen uns!  von Gordon Neufeld

Gleichaltrigenorientierung

 

GleichaltrigenorientierungGordon Neufeld ist ein international renommierter kanadischer Entwicklungspsychologe.

In seinem Bestseller „Unsere Kinder brauchen uns“ (2004) ermutigt Dr. Gordon Neufeld Eltern und Erzieher, selbst der wichtigste Einfluss im Leben ihrer Kinder zu bleiben, anstatt dies deren Altersgenossen zu überlassen. Im Zuge der „Gleichaltrigenorientierung“ komme es zu einem Entwicklungsstillstand der Kinder, der die Individualität unterdrückt. Der nach ihm benannte „Neufeld-Ansatz“ spießt sich dadurch mit den derzeit oft vorherrschenden

Erziehungspraktiken und auch der Familien- und Bildungspolitik vielerorts. Doch trotz Kritik, Neufeld ist überzeugt, dass seine Erkenntnisse Eltern davor bewahren können, ihre Kinder zu „verlieren“ und helfen, wenn nötig, die tiefe Verbindung zu ihnen wiederherzustellen: „Wir sind die beste Chance für unsere Kinder. Auch wenn sie es manchmal nicht wissen, sie brauchen uns“.

Der kanadische Entwicklungspsychologe ist selbst fünffacher Vater und arbeitet seit über 30 Jahren mit Kindern und den für sie verantwortlichen Erwachsenen. Bekannt wurde Neufeld u.a. auch für seine mehrjährige Zusammenarbeit im Gefängnis mit jugendlichen Gewaltverbrechern. Er hat 20 Jahre lang an der University of British Columbia als Professor gelehrt und war viele Jahre in eigener therapeutischer Praxis tätig. Inzwischen konzentriert er sich auf die Weitergabe seines Wissens und die Schulung von Eltern und beruflich mit Kindern Tätigen in der hilfreichen Anwendung der von ihm gewonnenen Erkenntnisse über Bindungen. Der 69-jährige ist außerdem gern gesehener Gast in zahlreichen US-Fernseh- und Radiosendungen.

http://neufeldinstitute.org/

Weiterer Buchtipp: Jesper Juul – Leitwölfe sein; Liebevolle Führung in der Familie

Jesper Juul

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Wenn der Spross einen zur Weißglut bringt, ist es oft schwierig, ohne Verbote und ohne Strafe auszukommen. So kann es dennoch gelingen:

„Jetzt hör sofort auf, sonst fahren wir nach Hause!“, „Es reicht, ich zähle bis drei, und wenn du dann nicht herkommst, gibt es heute keine Gute-Nacht-Geschichte“ – Sätze wie diese kennen wir nur allzu gut. Denn groß ist oft die Überforderung und stressig der Alltag. Da rutschen einem dann schon Sätze über die Lippen, die man aus der eigenen Kindheit kennt und die man eigentlich nie sagen wollte. Aber sind Strafen und Drohungen denn wirklich so schlimm? „Ja“, sagt der amerikanische Erziehungsexperte Alfie Sohn, „Bestrafung setzt auf Kontrolle. Sie vermittelt Kindern, dass sie nur geliebt werden, wenn sie uns gefallen oder uns beeindrucken.“

Let’s talk about Stress!

Strafen und Drohungen schädigen die Eltern-Kind-Bindung und das Selbstvertrauen des Nachwuchses nachhaltig. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation. Reden Sie miteinander darüber! Gehen Sie in Beziehung zu Ihrem Kind, fragen Sie nach, und sprechen Sie seine Gefühle offen an: Worum geht es bei dieser Auseinandersetzung wirklich? Welche Bedürfnisse hat mein Kind, und was will ich als Elternteil? Kurzfristig ist diese vielleicht die aufwendigere Lösung, aber langfristig ist sie besser für das Klima daheim, und der Nachwuchs lernt Verständnis und Konfliktmanagement.

Verbote sorgen für Funkstille

Jeder gerät im gemeinsamen Zusammenleben das ein oder andere Mal an seine Grenzen. Doch mit Verboten zerstören Sie mehr als sie glauben. Die Eltern-Kind-Beziehung gilt es zu hegen und zu pflegen, ist sie schließlich auch später in der Pubertät wichtig, um an gemeinsame Werte zu erinnern und den Nachwuchs vor gefahren zu bewahren. Fakt ist: Strafen und Drohungen machen Angst und lösen das Problem keineswegs langfristig. Bei Fernseh- oder Handyverbot zum Beispiel, denken Kinder bestenfalls darüber nach, wie sie das Verbot schnellstmöglich umgehen können, aber nicht über das eigentliche Thema. Außerdem brechen Strafen die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ab. Dabei wollen wir doch genau das Gegenteil: Endlich gehört werden!

Mehr Verständnis durch Empathie

Versuchen Sie herauszufinden, worum es Ihrem Nachwuchs in der jeweiligen Situation wirklich geht. Nehmen Sie Ihr Kind ernst! Was braucht es gerade? Natürlich dürfen und sollen Sie neben den Gefühlen Ihres Kindes auch Ihre eigenen Gefühle und Ihre persönliche Grenze ansprechen. Sätze, wie „Offensichtlich bist du gerade sehr wütend, das kann ich gut verstehen“ helfen dem Nachwuchs sich angenommen zu fühlen auch, wenn dieser gerade von seinen Gefühlen überwältigt wird und überfordert ist.

Ein „Nein“ ist kein Weltuntergang!

Eine wertschätzende Kommunikation bedeutet keineswegs das alles erlaubt ist und daheim die „Diktatur der Kinder“ herrscht. Selbstverständlich braucht es im Alltag, vor allem wenn es um Sicherheit geht oder um das Einhalten gemeinsamer Familienregeln, auch mal ein klares „Nein“. Natürlich dürfen – und sollen! – Eltern „Nein“ sagen. Aber auch ein „Nein“ kann wertschätzend formuliert werden und muss nicht zum Machtkampf zwischen den Generationen ausarten.

Autorin: Nina Petz

Buchtipp:

                         Katia Saalfrank: Erziehung ohne Strafen

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Weitere Buchtipps:

Alfie Kohn: Liebe und Eigenständigkeit, Der Mythos des verwöhnten Kindes

Jesper Juul: Das kompetente Kind

Thomas Gordon: Familienkonferenz

Marshall B. Rosenberg: Kinder einfühlend ins Leben begleiten – Elternschaft im Licht der gewaltfreien Kommunikation

Danielle Graf und Katja Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Freiraum Lobau meets Gerald Hüther

Gerald Hüther in Wien März 2018Am Mittwoch 7. März 2018 in Wien 15, hatte ich das große Vergnügen einen Vortrag von Prof. Gerald Hüther live zu hören. Und wenn ich sage Vergnügen, dann meine ich das so. Eineinhalb Stunden größte Redekunst. Der Mann kann mit Worten die Aufmerksamkeit fesseln ohne dazu Hilfsmittel wie PowerPoint zu brauchen. Er steht auf der Bühne und spricht in ganzen wohl formulierten Sätzen, erklärt dabei auf einfache Weise komplexe Gedankengänge, spannt einen riesigen Bogen über diese Rede, in der sich letztendlich alle Bausteine zu einem in sich logisch geschlossenen Ganzen zusammenfinden. Man hört, ich bin sehr beeindruckt.

Würde

Dieses Wort, legt  den Grundstein seiner Rede. Gerald Hüther hat ein neues Buch geschrieben: Würde. Was uns stark macht- als Einzelne und als Gesellschaft

Der Titel macht bereits sehr neugierig. Kann Würde mich als Einzelnen oder gar die ganze Gesellschaft stark machen? Und Hüther führt den Leser, oder Zuhörer behutsam zu dem Schluss: ja. Und zwar brauchen wir Würde, wie einen Bissen Brot. Dazu erklärt Hüther auch Einiges in dem Interview von Veit Lindau mit Prof. Hüther.

Hüther führt den Leser in seinem Buch durch die Geschichte. Er zeigt wie, die Menschheit mit zunehmender Komplexität ihre Probleme durch Einführung hierarchischer Systeme lösen konnte. Nunmehr steigt die Komplexität durch Digitalisierung und Globalisierung und viele andere Phänomene weiter an. Hierarchie kann diese Komplexität nicht mehr reduzieren. Sämtliche Trends gehen auch in Richtung Gleichberechtigung, flache Strukturen und Demokratisierung. Doch wer sagt uns dann, was richtig und was falsch ist? Wer gibt uns Richtung?

Hüther führt in seinem Buch aus, dass diese Leitung oder Orientierung aus einem inneren Kompass, aus dem zutiefst Menschlichen in uns erwächst. Die Besinnung auf die Würde ist laut Hüther die zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts.

Kinder würdevoll begleiten

Die Würde zu wahren und unsere Kinder voll Würde zu begleiten und würdevoll zu behandeln wäre laut Hüther die Aufgabe von Eltern und Schule in einer Welt, wie sie sich heute zeigt. Kinder die immer wieder Demütigungen erfahren, egal ob durch Noten, ob durch achtlose Worte oder Gesten, ob durch tätliche Angriffe, sind versuchter ihre Probleme mit kurzfristigen Strategien zu lösen. Nach dem Motto: „Klaus war heute so gemein und die Frau Lehrerin auch. Wenn ich zwei Stunden Computer spiele, geht es mir wieder besser.“ Wie gesagt, kurzfristig stimmt das. Langfristig ist diese Lösungsstrategie weder würdevoll noch zielführend. Nach den abgelaufenen zwei Stunden Spiel am Computer verspüren Kinder häufig eine unglaubliche Leere und Sinnlosigkeit. Die Probleme mit Klaus konnten für zwei Stunden vergessen werden, gelöst sind sie jedoch nicht.

Hüther zeigt in seinem Buch, wie wir uns auf unsere Würde besinnen und diese zurückgewinnen können. Er macht klar, dass Würde ein sinnvoller Lösungsweg sein kann für sämtliche Probleme des 21. Jahrhunderts. Schließlich ruft er auf, seine ins Leben gerufene Petition über die Würde zu unterschreiben. Machen Sie doch auch mit!

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Ratschläge bei Schulproblemen!

Ratschläge bei SchulproblemenDiese Ratschläge betreffen die Fortsetzung des am 23.02. geposteten Thema: „Schulprobleme?! Hochbegabt? Lese- oder Rechtschreibstörung? Teilleistungsschwächen?“.

Der Schwerpunkt liegt in den Empfehlungen an die Eltern, die sich aus der klinisch-psychologischen Diagnostik ergeben haben.

Die Empfehlungen an die Eltern basieren auf den Ergebnissen der psychologischen Testverfahren, der Verhaltensbeobachtungen sowie der persönlichen Vorgeschichte des Kindes und der Eltern und den zusätzlich ausgefüllten Fragebögen der Eltern zu einem spezifischen Thema, die das Kind bzw. den Jugendlichen betreffen.

Therapien bei Schulproblemen

Im Prinzip teilen sich die möglichen Behandlungen in zwei große Teilbereiche. Der erste Bereich betrifft die Förderung bestimmter Alltagsfertigkeiten des Kindes, durch sogenannte „funktionelle Therapien“, die im Folgenden kurz dargestellt werden.

Ergotherapie

Ergotherapie bedeutet übersetzt „Arbeitstherapie“ und meint, dass die Ergotherapeutin das Kind in bestimmten schulischen Fertigkeiten trainiert und unterstützt um den Alltag besser zu meistern. Dazu gehört die Förderung der visuellen Wahrnehmung, die für das Erlernen des Schreibens notwendig ist. Manche Kinder haben Schwierigkeiten in der Dosierung der Kraft beim Schreiben, hier wird die die Feinmotorik beim Schreiben geschult. Einige Kinder haben ein regelrechtes Chaos in der Schultasche, finden die Aufgabenstellungen oft nicht, in diesem Falle unterstütz die Ergotherapeutin die Kinder in der Handlungsplanung.

Lesen Sie näheres unter: www.ergotherapie.at

Logopädie

Der Bereich der Logopädie umfasst ein breites Gebiet, beginnend mit der Förderung der Aussprache, der Grammatik sowie der Erweiterung des Wortschatzes. Bei Kindern, die die Laute nicht richtig wahrnehmen und verarbeiten können, kann auch eine Unterstützung seitens der LogopädIn erfolgen.

LogopädInnensuche auf: www.logopaedieaustria.at/logopaedische-therapie-hauptmenu

Physiotherapie

In der Beobachtung können Haltungsproblemen bei Kindern sichtbar werden, die möglicherweise mit Schmerzen verbunden sind. In diesem Falle und bei Kindern, die eine körperliche Einschränkung haben, wird auf die Physiotherapie verwiesen.

PhysiotherapeutInnen finden Sie auf: www.physioaustria.at/og/wien

Psychotherapeutische/Psychologische Behandlung

Kinderpsychotherapie ist ein Spezialgebiet, das eine besondere Qualifikation voraussetzt.

Lesen Sie dazu näheres unter:

www.psychotherapie.at/oebvp/arbeitsbereiche/saeuglings-kinder-und-jugendpsychotherapie

Die erste Hürde besteht natürlich darin Kontakt mit einer Kinderpsychotherapeutin aufzunehmen, es ist nicht leicht mit einer fremden Person über Schwierigkeiten, die das Familienleben betreffen, zu sprechen. Anzumerken ist, dass die (Kinder-)PsychotherapeutInnen einer strengen Verschwiegenheitspflicht unterliegen, dies bedeutet, dass absolut keine Informationen nach außen gelangen dürfen.

Im Erstgespräch lernen sich die Psychotherapeutin, die Eltern und das Kind kennen. Die Psychotherapeutin klärt in diesem Rahmen ab, ob eine behandlungsbedürftige Krankheit vorliegt, wie stark das Alltagsleben der Familie beeinträchtigt ist und welche Ressourcen innerhalb der Familie aktiviert werden können.

Ganz allgemein gilt, dass je jünger die Kinder sind umso mehr gewinnt die Elternarbeit an Bedeutung. Dies bedeutet, dass KinderpsychotherapeutInnen sowohl mit den Kindern arbeiten als auch regelmäßige Elterngespräche führen, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.

Wenn bei den Kindern eine erhöhte Angst im Vordergrund steht, in Zusammenhang mit bestimmten Schulfächern oder aber auch im Kontakt mit Mitschülern u.v.m., wird eine psychotherapeutische Behandlung und/oder Elternberatung empfohlen. Kinder können auch aufgrund der alltäglichen Belastungen in der Schule eine Depression entwickeln, die sich in gereiztem Verhalten, Rückzug, Schlafproblemen und/oder gedrückter Stimmung äußern. In diesen Fällen sind nicht nur die Gefühle der Kinder beeinträchtigt, sondern auch die Leistungsfähigkeit ist meist deutlich vermindert.

Kinder drücken ihre erlebten Belastungen oft auf

eine andere Weise als Erwachsene aus. Wichtig hierbei ist, dass sich die Eltern aufmerksam und offen den Erzählungen ihrer Kinder widmen sowie veränderte Verhaltensweisen, wie Rückzug, Gereiztheit, nicht ignorieren. Wenn sich die Situation nicht verbessert sollte eine professionelle Hilfe hinzugezogen werden.

Das Team Freiraum-Lobau ist spezialisiert auf Kinderpsychotherapie und Kinderpsychologie und steht Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung (http://www.freiraum-lobau.at/team).

Autorin: Mag. Birgit Prislinger

Buchtipp:

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Woran scheitern Grenzen?

Grenzen geben HaltGrenzen zu setzen gibt Halt und Sicherheit. Je klarer Eltern Grenzen setzen und vorgeben können, desto ausgeglichener und sicherer können sich Kinder innerhalb dieser Grenzen ausleben.

So weit, so logisch. Doch woran scheitert es denn so oft?

„Ich will nicht so gemein sein,“ höre ich Eltern sagen. „Ich bin so konfliktscheu und harmoniebedürftig. Ich will keinen Streit mit meinem Kind.“ Bei solchen Worten wird mir dann immer wieder klar: „Hier liegt eine Verwechslung vor.“

Grenzen haben nichts mit Streit oder Disharmonie zu tun.

Grenzen sind etwas Klares und Liebevolles. Und das ist überhaupt kein Wiederspruch. Eine Grenze, die niemand setzt kann man auch nicht respektieren.

Unklare Grenzen bewirken das Gegenteil. Eine Grenze aufzuzeigen, zu der man nicht ehrlich steht, bewirkt mehr Unklarheit und Unsicherheit als vorher. Dadurch entstehen Gefühle der Angst und oftmals auch des Zorns.

Wodurch kennt das Kind den Unterschied zwischen Streit und Grenzen?

Der Unterschied liegt darin, ob Sie dabei in Kontakt mit Augen, Haltung, Mimik, Gestik und räumlicher Nähe bleiben oder den Blickkontakt meiden, Zorn oder Rückzug in ihrer Haltung ausstrahlen. Das Gegenüber erkennt sofort, ob es sich um eine Grenze in Liebe oder Streit handelt.

Welche innere Haltung nehmen Sie ein?

Man kann die Haltung einnehmen: „Stopp, hier geht es nicht weiter…. Und du bist mir sehr wichtig.“ Oder eine Haltung wie: „Spinnst du, das kannst du doch nicht machen.“ Diese Haltungen spiegeln sich jedenfalls in ihrer Mimik, Gestik, der Art wie sie atmen und sogar der Herzfrequenz , auch ohne tatsächlich ausgesprochene Worte.

Die zuerst genannte Art gibt Auskunft darüber, wo ihre persönlichen Grenzen liegen. Es wird lediglich liebevoll darauf hingewiesen, wo Sie Ihre persönliche Grenze ziehen. Sie geben Ihrem Kind die Chance, diese Grenzen auch zu respektieren. Dadurch steigt das gegenseitige Vertrauen.

Die zweite Position wirkt wie ein Angriff und fordert vom Gegenüber eine Verteidigungs- oder Rückzugshaltung. Der Kontakt zwischen Ihnen und Ihrem Kind ist dann jedenfalls kurzfristig unterbrochen.

Kontaktabbruch ist im subjektiven Erlebe sehr unangenehm, da speziell Kinder, von der Bindung zu ihren Eltern, vom sozialen Austausch, von der Hilfe und Liebe ihrer Eltern abhängig sind. Kinder, aber in Wirklichkeit alle Menschen brauchen andere Menschen, brauchen sozialen Austausch, Verbindung und Beziehung. Ohne soziale Interaktion können wir nicht leben.

Daher wollen Eltern keinen Streit und nicht gemein sein. Das will tatsächlich niemand!!! Grenzen zu setzen bedeutet jedoch nicht Streit. Grenzen zu setzen bedeutet, den Kontakt in, Blick, Gestik, Mimik, in innerer und äußerer Haltung aufrecht zu erhalten. Eine gut und klar gesetzte Grenze ist ein liebevoller Akt und zeugt davon, dass Ihnen Ihr Kind wichtig ist.

Mehr zu diesen und anderen Themen der Erziehung und Begleitung von Kindern im Seminar: Erziehung ist (k)ein Kinderspiel.

Autorin: Karin Haiderer

Buchtipp:

Jesper Juul

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Full-time Job Mama

Frauen, die sich bewusst gegen Job und für Familie entscheiden, gelten fast schon als Exoten. Ein Plädoyer für einen Full-time Job, dem es oft an Wertschätzung mangelt.

Was, du bleibst wegen der Kinder zu Hause?Mutter und Kind

So, reagieren die meisten irritiert, wenn frau heutzutage zugibt, ihr Beruf sei Hausfrau und Mutter. Oft folgt dann die besorgte Nachfrage: „Ist das auf Dauer nicht langweilig?“ Keineswegs! Denn Mama zu sein ist ein Fulltime-Job – ohne fixe Arbeitszeiten, dafür mit einer Abrufbereitschaft rund um die Uhr, wechselnden Aufgabenbereichen – und nicht zu vergessen, einem durchaus emotionsgeladenen „Betriebsklima“. Für Sabine Mänken, Bettina Hellebrand und Gabriele Abel, die Herausgeberinnen des Buches „Die verkaufte Mutter“, sind Mamis „Frauen, die jenseits unseres Zeitgeistes ihr Muttersein ernst nehmen; die die Bedürfnisse ihrer Kinder fühlen. Und sich diesen stellen. Im Wissen, durch die eigene Präsenz Räume zu schaffen, die Ruhe, Beziehung, und Kreativität ermöglichen.“

Können sich Familien das leisten?

Und trotzdem: Die Freiheit dieser Frauen, die sich trotz beruflicher Chancen, für die Familie und somit gegen einen betreuten Krippen- oder Ganztagsschulplatz entscheiden, scheint immer eingeengter. Kaum eine Familie kann es sich noch leisten, dass nur ein Elternteil arbeiten geht. Wer in Österreich nach zwei Jahren nicht an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehrt, verliert diesen. In Italien oder Spanien, endet der Mutterschutz gar schon nach vier Monaten. „Die ganz persönlichen Einstellungen, Erfahrungen und Lebensbedingungen der Frauen, die ein Zuhause für Kinder bewusst gestalten, werden nicht gehört“, klagen Mänken, Hellebrand und Abel unisono. Dafür bewirbt die Politik lautstark die „frühe Bildung“ in Kiga, Kita oder Schule. Eltern wird der Eindruck vermittelt, sie könnten ruhig arbeiten gehen und die Erziehung ihrer Kinder dem geschulten Fachpersonal überlassen. Durchaus! Doch wenn nicht? Dann erfordert es besonderen Mut sich all dem entgegenzustellen. Daher: Chapeau! Hut ab und Danke, liebe Mamas, für Euren Einsatz. Das muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden.

Achtung: Burn-out Gefahr!

Mama sein ist ein Full-time Job. Wer also zusätzlich noch arbeitet, hat also eigentlich zwei Jobs gleichzeitig. Machen wir uns das klar, wird deutlich, warum wir einer gefährlichen Tendenz entgegensteuern. Burnout ist keine Erfindung der heutigen Gesellschaft sondern ein ernst zunehmender Überlastungszustand.

Wenn die Anerkennung fehlt… Burnout bei Müttern kommt immer häufiger vor

Kinder, Küche, Haushalt – in der Familie gibt es immer was zu tun. Doch selten gibt es hierfür die nötige Anerkennung. Dabei kommen gerade bei Müttern Burnout- und Überlastungszustände sehr häufig vor. Oft werden die Anzeichen dafür allerdings übergangen und nicht ernst genommen. Doch wer viel leistet, sollte auch viele kleine Pausen zwischendurch einlegen. Daher: Selbstfürsorge nicht vergessen – und dabei auch die Hilfe von Großeltern und Partner einfordern!

„Unser Gesellschaftssystem braucht Ganztagsschulen und Krippen. Kinder brauchen vor allem geborgene Beziehungserfahrungen“

Autorin: Nina Petz

Buchtipp:

5 Wochen Rabenmutter

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Weitere Buchtipps:

 

Patchworkfamilien – meine, deine, unsre

Patchwork-Familie

In Österreich leben rund 9 % aller minderjährigen Kinder in sogenannten Patchworkfamilien. Der Begriff bezeichnet einen bunten Mix verschiedenster Mitglieder unterschiedlicher Familien, die aufgrund einer neuen Partnerschaft zusammengeschlossen sind und demnach eine neue Familie bilden.

Meine, deine, unsre Kinder

So leben laut Österreichischem Institut für Familienforschung der Universität Wien (OIF) „Familien in Zahlen 2017“, 67.056 Patchwork/Stieffamilien mit minderjährigen Kindern in Österreich. Dies entspricht rund 9% aller Familien in Österreich.

Stieffamilien gibt es schon lange. Früher allerdings vermehrt durch den Tod eines Elternteils, haben sich neue Partnerinnen und Partner zu einer neuen Familienkonstellation zusammengefunden. In neuester Zeit sind es weniger die Sterbefälle, sondern Scheidungen und das Finden neuer Partnerinnen und Partner, aus denen dann neue Patchworkfamilien entstehen.

Eigentlich ist es wunderschön. Zwei Menschen lernen sich kennen und verlieben sich ineinander. Eine neue, aufregende Beziehung entsteht. Beide haben Kinder und beschließen nach langen Gesprächen und Überlegungen, dem jeweils anderen, die eigenen Kinder vorzustellen.

Das Abenteuer „Patchworkfamilie“ beginnt.

Mit dem Kennenlernen der neuen Partnerin/des neuen Partners und den jeweiligen anderen Nachkommen stellen sich alle Beteiligten den unterschiedlichsten Herausforderungen und Situationen, die sie sich zuvor so in der Art und Weise nicht hätten ausmalen können.

Da sind die Kinder, die plötzlich anderen gegenüberstehen, aber nicht nur denen. Der Nachwuchs erlebt, dass die jeweils wichtige Bezugsperson jemand anderen liebt, als die „richtige“ Mama/den „leiblichen“ Papa. So können Loyalitätskonflikte entstehen, denn eigentlich wünschen Kinder sich meist, dass die Ursprungsfamilie wieder zusammenzieht und sich verträgt.

Zeit und Gespräch wichtig für ein gutes Gelingen

So gilt es nicht, die Mama/den Papa durch die neue Partnerin/den neuen Partner zu ersetzen. Es gilt, ihn zusätzlich als eine Person in das Leben des Kindes/der Kinder zu bringen. Da heißt es, dass alle Beteiligten sich kennen lernen und vertrauen lernen müssen. Dies braucht Zeit und Geduld. Wichtig für eine gute Basis bildet das Gespräch miteinander. Je klarer den Erwachsenen ist, dass die Kinder und auch sie selbst, Zeit brauchen um miteinander einen gangbaren Weg zu finden um die Patchworkfamilie miteinander zu gestalten, desto eher kann Gelassenheit in manche noch so herausfordernde Situation gelangen.

Konflikte nicht unter den Teppich kehren

Klar ist, dass es in Patchworkfamilien genauso wie in der Ursprungsfamilie auch, miteinander Konflikte geben wird. Wer darf wen um was bitten? Was darf wer wann wo entscheiden? Und wie viel Vertrauen hat welches Familienmitglied zu welchem? Viele unzählige Faktoren spielen mit, damit das Konstrukt Patchworkfamilie auch tragfähig werden kann. Unter anderem zählt da auch dazu, welche Gespräche über was zugelassen werden können und welche Themen nicht angebracht sind. So ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche Fragen stellen dürfen und sich Hilfe von den Erwachsenen erwarten können, denn sie sind es, die sich oftmals schwerer tun, in solchen neuen Situationen zurechtzukommen. Oft ist in den Köpfen der Kinder eine Vorstellung davon, dass sie selbst durch ihr Verhalten beeinflussen können, dass der „leibliche“ Elternteil wiederkommt. Sie müssen nur dieses oder jenes tun und schon haben sich Mama und Papa wieder lieb.

Ein neues Baby

Oftmals ist es so, dass es in der neuen Situation der Patchworkfamilie nicht nur neue „Geschwister“ mit einziehen, sondern auch ein Baby geboren wird. Hier kann Eifersucht der bereits geborenen Kinder entstehen und das Gefühl, dass die Bezugspersonen das Baby viel lieber haben. Auch hier hilft es dem Nachwuchs meist sehr, wenn es eingebunden ist und sich mit den Erwachsenen zusammen auf den neuen Erdenbürger freuen kann. Das Erleben, dass ein Baby zwar mehr Aufmerksamkeit braucht, aber die Liebe zu dem größeren Kind nicht aufhört, kann den Zusammenhalt in einer Patchworkfamilie durchaus stärken und fördern.

Jede Familie ist anders

Bei alledem ist wichtig, dass sich Eltern im Klaren darüber sind, dass jede Patchworkfamilie anders ist und es bei allem Austausch und Gespräch klar sein muss, dass jede Familie ihre eigenen Werte, Wünsche und Vorstellungen hat. Keine Patchworkfamilie gleicht der anderen!

Autorin: Dipl.-Päd. Andrea Leidlmayr, BEd