Beziehung heilt

Der Neurobiologe Gerald Hüther schreibt:

Beziehung wirkt heilend„“Niemand verliert die Freude am freien Denken von alleine. Dafür ist eine leidvolle Beziehung verantwortlich.“

Damit ist klar, dass Beziehung das Fundament für Lernen und Denken legt. Unser Gehirn wächst an der Beziehung zu den Eltern, zu anderen Erwachsenen, zu älteren, jüngeren, Geschwistern aber auch zu den Gleichaltrigen. Beziehung strukturiert die synaptischen Verschaltungen in unserem Gehirn und entscheidet über unser Denken und Fühlen entscheidend mit. Auch unser Selbstbild definiert sich durch die Beziehungsgestaltung zu anderen Menschen. Je jünger das Kind und je mehr Zeit  und je intensivere Zeit mit dem Kind verbracht wurde, desto größer der Einfluss der Beziehung auf die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten.

Beziehung heilt

Martin Buber geht sogar soweit zu behaupten, dass die Beziehung nicht nur prägt, sondern auch heilend wirkt. Nehmen wir an dieser Stelle an, Martin Buber hat Recht mit seiner Aussage, dass Beziehung heilt. Dann würde das bedeuten, dass Eltern und Großeltern heilend auf das Kind einwirken können. Und auch umgekehrt von dem Kind geheilt werden können. Bedenken Sie nur die Möglichkeiten! Wir haben die Macht der Heilung in unserer Hand.

Daraus ergeben sich zwei Fragen:

  1.  Was ist Beziehung?
  2. „Wie kann man Beziehung heilend und nicht leidvoll gestalten?“

Zunächst zur ersten Frage.

Was ist Beziehung?

Beziehung ist die Fähigkeit miteinander in Kontakt zu treten und diesen Kontakt über einen längeren Zeitraum zu gestalten. Beziehung spielt sich zwischen zwei Menschen oder zwischen zwei Gehirnen ab. Dabei ist nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen vornehmlich die rechte Gehirnhälfte an dem Aufbau, der Interpretation, dem Mitgefühl und dem tragfähigen Halten dieser Beziehung beteiligt.

Giacomo Rizzolati gilt als der Entdecker der „Spiegel-Nervenzellen“. Wenn nun jemand ein schmerzverzerrtes Gesicht macht und dabei stöhnende Laute von sich gibt, können wir aufgrund der „mirror-neurons“ die Gefühle unseres Gegenübers beobachten, einprägen und selbst fühlen, wie es dem Anderen geht. Auf Grund der Spielgelneuronen ist der Säugling in der Lage, die mimischen Gesichtsausdrücke, den Klang ihrer Stimme aufzunehmen und versuchen nachzuahmen. Das Kind lernt über die Spiegelneuronen von seiner Mutter, von der Umwelt, die ihm bereitgestellt wird.

Beziehung ist also Aufnehmen, Interpretieren, Gefühle in sich entstehen lassen, Gefühle ausdrücken und damit im Gegenüber etwas auszulösen, das daraufhin wieder eine Reaktion folgen lässt. Wir bekommen also einen Vorgeschmack, wie unglaublich wichtig Beziehungserfahrung für menschliche Entwicklung ist. Diese Erfahrung strukturiert die synaptische Verschaltung in unserem Gehirn. Wir lernen an und von Beziehung uns selbst kennen.

Wie kann man Beziehung heilend gestalten?

Um diese Frage zu beantworten, stelle ich Ihnen folgende Übung zur Verfügung. Stellen Sie sich eine Ihnen wichtige Person vor. Das könnten beispielsweise die eigenen Eltern, das eigene Kind, der Partner eine beste Freundin, ein wichtiger Arbeitskollege sein. Bedenken Sie nun alle Probleme, die Sie mit der Person haben. Bedenken Sie all die Probleme, die diese Person mit Ihnen hat und welche Probleme die Person in ihrem Leben hat. Schreiben Sie die Probleme stichwortartig auf.

Nun gestalten Sie ein zweites Blatt Papier zur selben Person und erfreuen Sie sich an all den Stärken, die diese Person besitzt und fühlen Sie Dankbarkeit in sich aufsteigen, dass es die Person gibt und dass Sie Erfahrungen mit dieser Person teilen können, dass Sie sie kennen, dass es die Person gibt. Alles was wundervoll, großzügig, liebenswert an der bestimmten Person ist, darf nun zu Papier gebracht werden.

Welche der beiden Übungen ist angenehmer für Sie? Welche der beiden Blätter würden Sie lieber mit der Person besprechen? Wenn Sie beide Blätter besprechen würden, bei welcher Besprechung ginge es Ihnen besser?

Um Beziehung heilend zu gestalten, ist es wichtig in uns all das wachzurufen, was wir an der Person schätzen, die Dankbarkeit dass es die Person gibt und wie Sie hilft und bemüht ist.

Das innere Bild, das wir über die Person in uns kreieren hat entscheidenden Einfluss auf die Beziehung

Sobald wir ein negatives Bild von einem Menschen in uns erzeugen vergiften wir die Beziehung zwischen uns. Das Bild, das wir von anderen Menschen haben transportieren wir ständig mit, auch wenn wir noch so gute Schauspieler sind, wie tragen diese Energie nach außen. Und das wirkt auf die Meschen und auf die Beziehung zu den Menschen.

Sehen Sie Ihr Kind, Ihre Eltern, Ihren Partner so, als wären all Ihre Wünsche an Ihn bereits erfüllt.

Dieses Bild als wäre Ihr Gegenüber vollkommen wirkt ebenfalls nach außen und wirkt im wahrsten Sinne des Wortes heilend. Joachim Bauer schreibt in seinem Buch „das Gedächtnis des Körpers“ auf Seite 13: „Eine der wichtigsten Erkenntnissse der Stressforschung,….., ist, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur im Gehirn abgebildet und gespeichert werden, sondern dass sie die am besten wirksame und völlig nebenwirkungsfreie „Droge“ gegen seelischen und körperlichen Stress darstellen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind das Medium, in dem sich nicht nur unser seelisches Erleben bewegt, sondern in dem sich auch unsere körperliche Gesundheit bewahren lässt. Überall da, wo sich Quantität und Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen vermindern, erhöht sich das Krankheitsrisiko.“

Psychotherapie basiert auf zwischenmenschlicher Beziehung und ist die Basis der Behandlung. Auf Grund dieser wertvollen zwischenmenschlichen Begegnung wird Veränderung möglich.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Joachim Bauer: „Das Gedächtnis des Körpers“

Das Gedächtnis des Körpers - Joachim Bauer

 

Gerald Hüther und Uli Hauser: „Jedes Kind ist hoch begabt“

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Glaube bedeutet Respekt und Wertschätzung für mein Kind

Um Glaube zu erklären möchte ich zunächst auf das Gegenteil eingehen: Erwartungen!

Was sind Erwartungen?

Glaube an das eigene Kind

Dazu muss man sich bewusst machen, was Erwartungen eigentlich sind. Meist klingen sie in etwa so: „Ich erwarte, dass du Zähne putzt, dich anziehst, zusammenräumst, Hausaufgaben machst usw. …“. Und wehe das Kind sagt Nein. Jedoch ist die innerliche Haltung bei all diesen kleinen Erwartungen, dass das Kind sich sträubt, nicht entsprechen wird oder irgendwie unkooperativ sein wird.

Probeeren Sie folgende Übung:

Stellen Sie sich hinter Ihren Übungspartner am einen Ende des Raumes. Nun befördern Sie mittels Erwartungen ihren Partner von dem einen Eck ins andere. Oft sind das viele kleine Schubse in die Richtung. Ich traue meinem Kind nicht zu kooperativ zu sein. Vergesse auf Verbindung zum Kind und glaube durch diese Schubse schneller am Ziel zu sein. Nun fragen Sie Ihren Übungspartner, wie es ihm ergangen ist. Häufig sagen die Menschen, sie wären am liebsten davongelaufen. Doch das ist das, was wir von unseren Kindern absolut nicht wollen. „Bleib da, wenn ich mir dir rede – Schau mich an…“

Was ist Glaube?

Schließlich wollen wir den Glauben genauer unter die Lupe nehmen. Aus meiner Sicht hat der Glaube viel mit Dankbarkeit zu tun. Sobald ich mir mittels Dankbarkeit die Fülle der Beziehung zu meinem Kind bewusst mache, wird das weite Potential unserer gemeinsamen Beziehungen offensichtlich. Das Ziel wird greifbar nah, bzw. sehe ich das ganz viel schon passiert ist. „Ich glaube an deine Fähigkeiten, deine liebevolle Art, deine Verlässlichkeit usw. …“ – diese Sätze können im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen. „Ich glaube an dich.“

Dieser Glaube bedeutet tief in die gemeinsame Beziehung zu gehen, sowie Respekt und Wertschätzung.

Übung:

Leiten Sie Ihr Gegenüber im Glauben ans andere Eck des Zimmers. Nehmen Sie zu Ihrem Partner Kontakt auf, berühren Sie ihn und treffen Sie mit ihm eine klare gemeinsame Entscheidung ans andere Eck zu gehen. Seien Sie sonnenklar. Sie nehmen Ihr Gegenüber liebevoll wahr und Sie wissen den Weg. Wenn sich in Ihrem Gegenüber Zweifel hegen sollten, wissen Sie, dass Sie nicht klar und zweifelsfrei waren. Sie trauten dem Gegenüber nicht zu mit Ihnen gehen zu wollen.

 Waren Sie klar, wird ihr Gegenüber sehr gerne bei Ihnen sein wollen.

Warum nicht jemanden zustimmen, der von tiefsten Herzen von mir überzeugt ist. Natürlich folge ich dir. Kein Zweifel. Glaube bedeutet, das Beste in sich selbst und im Gegenüber zu sehen und daraaus tiefstem Herzen zu glauben. Wenn Sie das Beste in ihrem Kind auch in Bezug auf ein Ziel bei dem Ihnen vielleicht bereits jeder Glaube abhanden gekommen ist, wie Zimmer aufräumen, pünktlich sein, Mathe lernen, aufbringen und ihr Kind dahin liebevoll begleiten, kann das für die Beziehung zu ihrem Kind und die Erreichung der Ziele nur hilfreich sein!

Hier ein Beispiel von mir mit meinen Kindern

Jeden Morgen in der Früh für die Schule waren wir 5-10- Minuten spät dran. Ich trieb die Kinder vor mir her. „Habt ihr schon Zähne geputzt, frühstücken!, zieht euch an usw, usw.“ Sehr anstrengend, das kann ich Ihnen versichern. Schließlich wurde mir klar, dass ich meinen Kindern nicht mal zutraute selbständig pünktlich zu sein und ich sie mit Erwartungen bombardierte. Aus Selbstschutz hörten sie auch kaum noch darauf. Ich beschloss etwas zu ändern. Ich sagte mir selbst vor, dass ich an sie glaubte – mehrmals. Schließlich fing dieser Glaube an zu wachsen und mir wurde klar, auch sie wollten gerne pünktlich sein und waren auch bereit dazu, sich dafür einzusetzen. Ich sagte ihnen: „Ich glaube an uns. Gemeinsam werden wir es schaffen.“ Ich nutzte dabei auch die Gelegenheit über Zeit zu sprechen und die Unhöflichkeit und Respektlosigkeit den anderen gegenüber wenn man unpünktlich ist. Schließlich hörte ich auf, sie ständig mit Erwartungen zu nerven. Ich vertraute darauf, dass sie wussten was zu tun ist. Ich traute ihnen zu, dass ich mich nicht darum zu kümmern brauchte, wie mein Ziel der Pünktlichkeit umgesetzt wird. Meine Aufgabe war es bei Fragen und Problemen für sie da zu sein und immer wieder das Gefühl von Zeit in ihnen zu stärken, und von tiefsten Herzen an sie und mich zu glauben. Und siehe da, wir wurden immer pünktlicher.

Von tiefsten Herzen bin ich überzeugt, dass du das 1×1 lernen und können wirst. Ich glaube an deine Fähigkeiten das 1×1 zu lernen.“

Erwartungen: „Ab heute üben wir jeden Tag eine Viertelstunde, damit das 1×1 sitzt.“

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will hier nicht sagen, dass man mit seinem Kind nicht üben soll. Mir geht es hier an dieser Stelle ausschließlich um die innere Grundhaltung dem Kind gegenüber. Bei Erwartungen geht das Vertrauen verloren, wie das 1×1 gelernt werden kann. Dem Kind wird nicht zugetraut sich das 1×1 anzueignen – sie brauchen einen konkreten Plan. Damit verhindern Sie jedoch Flexibilität und Kreativität der Zugänge zum 1×1. Einmal kann die 8er Reihe im 8er gegangen und aufgesagt werden. Fangen spielen, im Leo ist man wenn man die 4er Reihe aufsagt… Sie können gemeinsam ein Bild von der 3er Reihe malen. Vielleicht entsteht dabei eine Geschichte. Ein 3er ging durch den Wald. Da traf er den 6er. Sie beschlossen den 9er zu fragen, ob er mitspielen wolle. Da stieß der 12er dazu und sagte spielen wir fangen. Als der 12er den 3er fing, wussten sie 5×3=15.

All diese kreativen Zugänge können sich jedoch nur entwickeln, wenn sie an sich glauben, an ihr Kind glauben und miteinander in Beziehung bleiben. Das ist der nächste große Nachteil von Erwartungen. Immer ist die Schubserei ohne ehrliche und liebevolle Kontaktaufnahme, oft aus Ungeduld heraus. Dafür habe ich nicht die Zeit. Das muss doch eh klar sein, dass ich mein Kind liebe und an es glaube. à Nein, das ist es nicht. Wenn sie den Glauben nicht leben und spüren lassen. Durch den Glauben wird ihr Kind immer selbständiger. Langfristig – oft auch kurzfristig – ist es die viel schnellere und für alle Seiten angenehmere und auch lustvollere Variante. Bedenken Sie den Spaß, der Ihnen beim gemeinsamen 1×1 lernen entgehen könnte.

Glauben Sie an das Endergebnis und stärken Sie so die Beziehung zu ihrem Kind

Kümmern Sie sich nicht darum, wie Sie mit Ihrem Kind zum Ziel hingelangen. Lassen Sie miteinander entstehen was kommt.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Durch friedliche Gedanken wird die Welt ein friedlicher Ort

Der Kampf gegen das, was ist

Friedliche WeltDer Kampf gegen die Realität ist zwar häufig, aber man verliert ihn und zwar absolut und ausnahmslos immer!!! Das kann man mit 100%iger Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Die Realität fragt nicht um unsere Zustimmung. Sie ist einfach.

Sich über die Realität zu beschweren bedeutet zwei innere Bilder, die sich gegenseitig ausschließen gegenübergestellt zu sehen. Das eine Bild ist die Phantasie, wie wir uns die Realität ausdenken, wie sie unserer Meinung nach sein sollte. Der Markt sollte offen haben, wenn ich etwas zu essen brauche. Die Socken meiner Kinder sollten aufgeräumt sein. Das Geschirr in der Küche sollte abgewaschen sein, wenn ich nach Hause komme. Es sollte heute die Sonne scheinen, weil wir heute wandern gehen wollen.

Zwei Bilder: „Wie es sein sollte“ vs. „wie es ist“

Das andere Bild ist die Realität, wie sie tatsächlich zu Tage tritt. Dieses Bild ist die Tatsache des Lebens, des Moments, des Jetzt. Es zeigt genau, das was gerade ist. Dieses Bild fragt nicht um Erlaubnis. Es ist einfach.

Ein innerer Konflikt entsteht, wenn sich die beiden Bilder gegenseitig widersprechen. Der Markt ist geschlossen, die Socken liegen am Boden, das Geschirr stapelt sich schmutzig in der Spüle und es gießt in Strömen.  Dieser Konflikt, dieser Kampf bedeutet Schmerz, denn er kann niemals gewonnen werden.

Der Grund warum wir uns gegen die Realität wehren, wie sie ist, ist der, dass wir der Überzeugung sind, dass sie an etwas mangelt. Es gibt zu wenig Liebe, zu wenig Sonnenschein, zu wenig Sicherheit, zu wenig Kontrolle, zu wenig Ordnung, zu wenig Klarheit, zu wenig Steuern, zu wenig Geld, zu wenig Unterstützung, zu wenig Vertrauen, zu wenig Verständnis, zu wenig Wärme, zu wenig Freundlichkeit, zu wenig Vergebung, zu wenig Humor, zu wenig Kunden, zu wenig Erfolg, zu wenig Verlässlichkeit, zu wenig Ruhe und Erholung, zu wenig Unterhaltung, zu wenig Freiheit….. Ich denke Sie haben verstanden. Doch kann dieser gefühlte Mangel durch  Beschwerde darüber ausgeglichen werden? Anders formuliert ändert die Beschwerde über die Realität etwas an der Situation? – Ist die innere Beschwerde in irgendeiner Weise dienlich, um mit diesem Mangel umzugehen? Die Beschwerde ändert nichts an der Wirklichkeit. Sie fühlt sich jedoch in jedem Fall unangenehm für dich und dein Umfeld an.

Denn die Realität ist, wie sie eben ist – nicht besser und nicht schlechter, sondern genauso wie sie ist. Wenn man sich dieser Tatsache des Lebens hingibt, sinkt der innere  Stresslevel bereits um einen gewaltig.

Beschwerde über die Realität raubt Kraft

Mein Lieblingsbeispiel ist die Fahrt auf einer Autobahn. Nehmen wir an Sie sitzen  im Auto und fahren die Autobahn entlang. Nun haben Sie  zwei Möglichkeiten über die Autobahn zu denken: Sie beschweren sich oder Sie nehmen die Autobahn dankbar an.

Die Beschwerde könnte zum Beispiel lauten: „Diese Autobahn ist eine Umweltkatastrophe. Fruchtbarer Boden wird für stinkende, laute Autos zu betoniert. Tausende von Lebewesen mussten für diese Autobahn ihr Leben lassen. Ständig gibt es nur Baustellen und Staus. Die Wartung der Autobahn lässt wirklich zu wünschen übrig.“

Wie geht es Ihnen während dieser Autofahrt, wenn Sie so über die Autobahn denken, die ja Realität ist und mit all ihren Unannehmlichkeiten so ist wie sie ist? Fühlen Sie sich gestresst, frustriert und resigniert?

Die andere Möglichkeit der Dankbarkeit wäre: „Ich danke der Menschheit, dass Sie mir Möglichkeiten zur Verfügung stellt in dieser Geschwindigkeit von A nach B zu kommen. Ich danke der Autobahn, dass sie eine sichere und komfortable Reiseform bietet. Ich danke für die technische Entwicklung, dass Autos immer umweltschonender und leiser werden. Usw.“

Wie geht es Ihnen während dieser Autofahrt, wenn Sie so über die Autobahn denken, die ja Realität ist und mit all ihren Unannehmlichkeiten auch viele Annehmlichkeiten bietet? Wie gestresst und frustriert fühlen Sie sich jetzt? Fühlen Sie sich resigniert oder aktiviert?

Die Autobahn ist da. Das ist eine Tatsache, die sich nicht ändern lässt. Welchen Sinn hat also die Beschwerde außer Frust und Resignation? Beenden Sie den Kampf gegen die Realität und ihr Leben wird um vieles leichter. Machen Sie sich bewusst, dass Sie ihr Denken auf Sinnhaftigkeit überprüfen kannst.

Friedvolle Gedanken machen die Welt friedlicher

Leider lauert die Beschwerde überall. Sie ist ein gesellschaftlich tradiertes, tief eingefahrenes Muster.  Um also einen wichtigen Beitrag zu mehr Frieden auf der Welt zu leisten, fangen Sie mit dem Frieden Ihrer Gedanken über die Welt an. Üben Sie sich in Dankbarkeit über die Welt und Sie betrachten dadurch die Welt mit ganz anderen Augen.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Der Wunsch nach Veränderung

VeränderungAlte Gedanken bilden eine synaptische Autobahn im Gehirn

Ich will nicht ständig depressiv und ängstlich sein, sondern mich des Lebens erfreuen können. Wie kann Psychotherapie helfen den Wunsch nach Veränderung zu begleiten und zu verwirklichen?

Gedanken die bereits oft gedacht wurden, sind synaptisch besonders gut verschaltet. Je öfter ein Gedanke durch unsere Gehirnwindungen geflutscht ist, desto schneller und einfacher tut sich der Gedanke. Es bildet sich eine synaptische Autobahn im Gehirn. Diese Nervenbahnen sind hervorragend verschaltet. Das gilt für Gedanken, die gut tun: Ich kann genießen und erfreue mich an all den Schätzen der Welt. Leider auch für Gedanken, die nicht gut tun: „Ich schaffe das nicht. Ich kann nichts. Ich verbocke eh alles. Ich fürchte mich ständig. Ich bekomme sicher Kopfschmerzen, wenn das so weiter geht.“

Neue Gedanken zu denken, ist wie einen völlig verwilderten Waldweg zu beschreiten.

Um neue Gedanken zulassen zu können, müssen im Gehirn neue unbekannte Wege beschritten werden und möglichst oft durch gedacht werden, sodass der neue Gedanke vertraut wird und sich neue Synapsen bilden können. Das bedeutet, man muss sich von der tief eingefahrenen, so vertraut gewordenen, sich tief im Gehirn und im Körper eingebrannten, bereits als zu einem selbst gehörig wahrgenommen Einstellung über sich selbst und das eigene Leben, die eigenen Gedanken über die Welt und sich selbst, verlassen und neue ungewohnte, völlig unbekannte Gedankengänge erkunden. Um Neues zu erfahren, um das eigene Leben zu ändern und sei es auch nur geringfügig, sind andere Gedanken, andere Denkmuster, neuer Wege notwendig. Solange man an seinen alten Gedankengängen festhält, bleibt es bei den alten Gewohnheiten, Lebenseinstellungen und Lebenserfahrungen.

Wie soll sich etwas ändern, wenn weiterhin so getan wird, wie bisher?

Veränderung bedeutet Neues zu wagen. Ohne neue Gedanken, werden wir wie gewohnt handeln und damit die gewohnten Erfahrungen machen. Man muss sich vom Alten lösen, sonst kann nichts Neues entstehen. Und gerade dieser wunderschöne Prozess, scheint der aller schwierigste zu sein. Dieser Prozess macht oft große Angst. Neues zu wagen ist ungewohnt und oftmals beängstigend. Körper und Geist klammern sich häufig in verzweifelter Angst vor dem Neuen an das Alte. Doch dadurch kann keine Veränderung stattfinden.

Mit professioneller Unterstützung in einer vertrauensvollen und wohlwollenden Beziehung zu dem Psychotherapeuten, wird Veränderung leichter und einfacher. Lassen Sie sich an der Hand führen und vertrauen Sie Ihren Möglichkeiten!

Autorin: MMag. Karin Haiderer

Erfahren Sie mehr über Glück und Zufriedenheit, über die Angst vor dem Glück oder über Hier und Jetzt.

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Im Hier und Jetzt

Genuss beim Kaffeetrinken und LesenEiner der wichtigsten Aspekte der integrativen Gestalttherapie ist das sogenannte Hier und Jetzt. Doch was soll das sein? Jeder kennt diesen Ausdruck – aber was versteht man darunter? Wie man denn ins „Hier und Jetzt“ gelangen kann, ist vielen völlig unklar.

Oft malen sich Eltern die eigene und die Zukunft ihrer Kinder aus. Wie wird es werden, wenn der Sprössling endlich zwei geworden ist und weniger Aufmerksamkeit braucht. Wie es wohl sein wird, wenn der Nachwuchs endlich in die Schule geht, wenn er endlich selbständig arbeitet und Geld verdient.

Zukunft und Vergangenheit existieren ausschließlich in unseren Köpfen

Die Gedanken kreisen um die Zukunft. Man macht sich Sorgen, ob die Kinder wohl genügend lernen, ob sie mal einen guten Job bekommen werden und, und, und. Das Ziel in der Zukunft, das sowieso nie gewiss sein kann, wird so groß, dass die Beschäftigung mit dem augenblicklichen Moment – dem Jetzt –wie das Baby in diesem Moment einzigartig lächelt, wie seine kleinen Haarsträhnen kleine Löckchen bilden, wie seine Füße riechen, wie die Sonne auf das Gesicht des Babies fällt, wie es sich anfühlt das Kind im Arm zu halten und ihm etwas vorzusingen– verpasst wird.

Dabei ist das Handeln und Wahrnehmen im Moment der einzige Einfluss der tatsächlich und real überhaupt möglich ist. Sowohl die Zukunft, als auch die Vergangenheit existieren ausschließlich in unseren Köpfen. Die Zukunft kann nur ausgedacht sein, da wir sie unmöglich kennen können, obwohl wir uns das gerne einreden. Die Vergangenheit ist das, was in unserer Erinnerung bleibt, die Gefühle und Stimmungen, die wir im Kopf abgespeichert haben. Doch real ist nur das Jetzt….

Genuss entsteht im Moment

Den jetzigen Moment zu verpassen, bedeutet die bewusste Wahrnehmung und damit den Genuss zu verpassen. Denn was ist Genuss? Denken Sie an den Film „die fabelhafte Welt der Amelie“ – Amelie mag es die Finger in einen Sack Bohnen gleiten zu lassen. Was ist die Voraussetzung dafür? Sie nimmt wahr und fühlt jede einzelne Bohne an ihren Fingern vorbeigleiten. Amelie fühlt den Tanz der runden Bohnen, die die Hand umspielen. Das Mädchen ist im Moment ausschließlich mit Wahrnehmung beschäftigt und das macht diese simple Handlung zum Hochgenuss.

Genuss löst die Wahrnehmung von Raum und Zeit auf

In diesem Moment ist kein Gedanke an die Zukunft möglich. – sonst wäre die Wahrnehmung eingeschränkt. Das Gefühl von Zeit ist ebenfalls nicht wichtig und löst sich vor dem Hintergrund der Wahrnehmung auf. Das ist ein Zen-artiger Zustand von No-Mind. Erwachsene sind oft nur für wenige Sekunden, wenn überhaupt voll und ganz im Hier und Jetzt, bevor der Verstand erneut einsetzt und pausenlos kommentiert. –  Immer wieder bewertet er und wälzt Gedanken, die schon häufig in der Form gedacht wurden und zu keiner Lösung geführt haben und vermutlich nicht werden.

Kinder als Vorbilder

Kinder sind wunderbare Zen-Meister. Sie lieben intensive Wahrnehmungen von Kleinigkeiten, um diese voll und ganz zu genießen mit allen Sinnen, die ihnen zur Verfügung stehen. Kleine Kinder inspizieren den Boden und ertasten jedes Staubkörnchen. Sie erkunden Bausteine mit dem Mund und nehmen wahr, wie sich das lackierte Holz mit der Zunge anfühlt. Sie sind Wahrnehmung. Alles andere ist nicht wichtig.

Der innere Beobachter

Eckard Tolle beschreibt in seinem Buch „Jetzt“, wie der innere Beobachter aktiviert werden kann, um im Jetzt bleiben zu können. Er empfiehlt die eigenen Gedanken zu beobachten. So können Sie sich bewusst werden, wie die eigenen Gedanken davon galoppieren, oft wirr und unzusammenhängend,  wie sie Furcht einflößen und oftmals der einzige Grund für Sorgen und Ängste sind. Mit diesem Bewusstsein kann nun noch tiefer beobachtet werden. Nämlich wie fühlt es sich an diese sorgenvollen Gedanken zu wälzen. Dieses Bewusstsein ermöglicht die Entscheidung, ob diese Gedanken wirklich weiter gesponnen werden wollen. Trotzdem lächelt der Beobachter die Gedanken liebevoll an und damit können diese Gedanken schließlich losgelassen werden.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Eckhart Tolle

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Es ist gar nicht so einfach glücklich zu sein….

Angst vor dem Glück„Das kann ich doch gar nicht glauben“, werden sie sagen. „Was soll denn daran beängstigend sein?“ Doch glücklich zu sein bedeutet oftmals einen völlig neuen Kurs als bisher einzuschlagen, alles anders zu machen, zu denken und zu fühlen als bisher. Das ist Veränderung und Veränderung macht sehr oft große Angst, weil wir damit das Gefühl aufgeben unser Leben unter Kontrolle zu haben, zu wissen, wie der Hase läuft, zu wissen, was als Nächstes auf uns zukommen wird.

Verzweifelt reden wir uns ein zu wissen, was die vorhersehbare Zukunft bringen wird. Wir machen uns selbst vor, die Zukunft unter Kontrolle zu haben und geben uns dieser Illusion hin. Dieser Kontrollzwang über das was kommen wird, basiert vor allem auf der Angst, dass etwas Unvorhergesehenes, etwas Neues eintritt. Doch dass wir durch diese scheinbare Kontrolle über die Zukunft, uns unglaublich einschränken, verweigern wir wahrzunehmen. Wir schränken uns durch unser Denken selbst ein. Wir glauben auf A folgt B. Das war immer schon so und wird auch so bleiben.

Wenn ich zum Zahnarzt gehe, wird es schmerzhaft. Wenn ich ein falsches Wort zu meinem Vorgesetzten sage, werde ich gefeuert. Wenn ich einen Knollenblätterpilz esse, sterbe ich. Wenn ich Falten und graue Haare bekomme, bin ich nicht mehr begehrenswert. Wenn ich nicht trainiere, übe und Leistung erbringe, werde ich keine Erfolge erzielen. Wenn ich von einer Giftschlange gebissen werde, sterbe ich. Was sich alles eröffnen kann, wenn man diese Glaubenssätze aufbricht und neu beleuchtet, ist eine kaum betrachtete Welt. Was passiert, wenn diese scheinbaren Naturgesetze in Frage gestellt werden? Was wenn sie gar nicht stimmen.

Tatsächlich gibt es Menschen, die das Gift der Schlangen aushalten…. Nur weil sie nicht davon überzeugt sind, dass das Gift tödlich ist. Es gibt Menschen, die beim Zahnarzt keine Schmerzen spüren, weil sie Selbsthypnose üben. Und viele Beispiele mehr. Das bedeutet aber auch, dass B nur dann auf A folgt, wenn das innere Denkmuster und die Gefühlshaltung davon überzeugt sind.

Wie funktioniert Veränderung?

Wie kann sich etwas ändern, wenn wir alles so sehen wie wir es immer gesehen haben, wenn wir uns nichts Neues zu wagen trauen, wenn wir nichts Ungewohntes ausprobieren und einfach mal Kopf stehen? Wie kann sich etwas ändern, wenn wir an alten Überzeugungen, Vorstellungen, Glaubenssätzen über unsere Welt verhaftet bleiben?Was genau ist so schwierig daran aus alten Denkmustern der Vergangenheit auszubrechen?

Stellen wir uns mal für einen kurzen Moment vor, wir hätten die Macht all unsere Wünsche und Träume zu verwirklichen, die Welt so zu gestalten, wie wir sie uns wünschen – nämlich zu unserem  größten Glück. Dann gäbe es plötzlich keine Ausreden mehr für Griesgram, Ärger und Sorgen. Wir hätten keine Möglichkeit mehr für Niedergeschlagenheit – schließlich könnten wir unsere Welt ja auch anders gestalten. Nehmen wir an, wir hätten diese Macht. Können Sie sicher sein, dass Sie diese Welt wollen würden – eine Welt ohne Ausreden, wie Angst, Sorgen, Bedenken und Trostlosigkeit?

Je größer die Möglichkeiten der Veränderung, desto größer die Angst vor der Veränderung.

Die Angst, dass die eigenen Träume tatsächlich realisiert werden können wird unermesslich. Es stellt sich die Frage: „Wer und wie bin ich, wenn ich glücklich bin? Kann ich das, will ich das? Das bedeutet ja ernsthaft mich von meiner, schon so vertrauten schlechten Laune und all meinen Ängsten zu lösen. Nochmals: „Wer bin ich ohne die Angewohnheit mich zu fürchten, mich unwohl zu fühlen, ohne meine Traurigkeit und Unzufriedenheit als ständiger Begleiter?“ Die Identifikation mit den eigenen Gedanken und Gefühlen löst sich auf und damit beinahe die vertraute Identität, so wie ich sie kenne. Wenn das nicht beängstigend ist. — Es ist gar nicht so einfach glücklich zu sein, stellen wir hier fest. Lesen Sie mehr über Glück hier.

Tipp: Im Magazin Gehirn und Geist ist dazu ein interessanter Artikel zu lesen.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Freiraum Lobau meets Gerald Hüther

Gerald Hüther in Wien März 2018Am Mittwoch 7. März 2018 in Wien 15, hatte ich das große Vergnügen einen Vortrag von Prof. Gerald Hüther live zu hören. Und wenn ich sage Vergnügen, dann meine ich das so. Eineinhalb Stunden größte Redekunst. Der Mann kann mit Worten die Aufmerksamkeit fesseln ohne dazu Hilfsmittel wie PowerPoint zu brauchen. Er steht auf der Bühne und spricht in ganzen wohl formulierten Sätzen, erklärt dabei auf einfache Weise komplexe Gedankengänge, spannt einen riesigen Bogen über diese Rede, in der sich letztendlich alle Bausteine zu einem in sich logisch geschlossenen Ganzen zusammenfinden. Man hört, ich bin sehr beeindruckt.

Würde

Dieses Wort, legt  den Grundstein seiner Rede. Gerald Hüther hat ein neues Buch geschrieben: Würde. Was uns stark macht- als Einzelne und als Gesellschaft

Der Titel macht bereits sehr neugierig. Kann Würde mich als Einzelnen oder gar die ganze Gesellschaft stark machen? Und Hüther führt den Leser, oder Zuhörer behutsam zu dem Schluss: ja. Und zwar brauchen wir Würde, wie einen Bissen Brot. Dazu erklärt Hüther auch Einiges in dem Interview von Veit Lindau mit Prof. Hüther.

Hüther führt den Leser in seinem Buch durch die Geschichte. Er zeigt wie, die Menschheit mit zunehmender Komplexität ihre Probleme durch Einführung hierarchischer Systeme lösen konnte. Nunmehr steigt die Komplexität durch Digitalisierung und Globalisierung und viele andere Phänomene weiter an. Hierarchie kann diese Komplexität nicht mehr reduzieren. Sämtliche Trends gehen auch in Richtung Gleichberechtigung, flache Strukturen und Demokratisierung. Doch wer sagt uns dann, was richtig und was falsch ist? Wer gibt uns Richtung?

Hüther führt in seinem Buch aus, dass diese Leitung oder Orientierung aus einem inneren Kompass, aus dem zutiefst Menschlichen in uns erwächst. Die Besinnung auf die Würde ist laut Hüther die zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts.

Kinder würdevoll begleiten

Die Würde zu wahren und unsere Kinder voll Würde zu begleiten und würdevoll zu behandeln wäre laut Hüther die Aufgabe von Eltern und Schule in einer Welt, wie sie sich heute zeigt. Kinder die immer wieder Demütigungen erfahren, egal ob durch Noten, ob durch achtlose Worte oder Gesten, ob durch tätliche Angriffe, sind versuchter ihre Probleme mit kurzfristigen Strategien zu lösen. Nach dem Motto: „Klaus war heute so gemein und die Frau Lehrerin auch. Wenn ich zwei Stunden Computer spiele, geht es mir wieder besser.“ Wie gesagt, kurzfristig stimmt das. Langfristig ist diese Lösungsstrategie weder würdevoll noch zielführend. Nach den abgelaufenen zwei Stunden Spiel am Computer verspüren Kinder häufig eine unglaubliche Leere und Sinnlosigkeit. Die Probleme mit Klaus konnten für zwei Stunden vergessen werden, gelöst sind sie jedoch nicht.

Hüther zeigt in seinem Buch, wie wir uns auf unsere Würde besinnen und diese zurückgewinnen können. Er macht klar, dass Würde ein sinnvoller Lösungsweg sein kann für sämtliche Probleme des 21. Jahrhunderts. Schließlich ruft er auf, seine ins Leben gerufene Petition über die Würde zu unterschreiben. Machen Sie doch auch mit!

Autorin: MMag. Karin Haiderer

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Woran scheitern Grenzen?

Grenzen geben HaltGrenzen zu setzen gibt Halt und Sicherheit. Je klarer Eltern Grenzen setzen und vorgeben können, desto ausgeglichener und sicherer können sich Kinder innerhalb dieser Grenzen ausleben.

So weit, so logisch. Doch woran scheitert es denn so oft?

„Ich will nicht so gemein sein,“ höre ich Eltern sagen. „Ich bin so konfliktscheu und harmoniebedürftig. Ich will keinen Streit mit meinem Kind.“ Bei solchen Worten wird mir dann immer wieder klar: „Hier liegt eine Verwechslung vor.“

Grenzen haben nichts mit Streit oder Disharmonie zu tun.

Grenzen sind etwas Klares und Liebevolles. Und das ist überhaupt kein Wiederspruch. Eine Grenze, die niemand setzt kann man auch nicht respektieren.

Unklare Grenzen bewirken das Gegenteil. Eine Grenze aufzuzeigen, zu der man nicht ehrlich steht, bewirkt mehr Unklarheit und Unsicherheit als vorher. Dadurch entstehen Gefühle der Angst und oftmals auch des Zorns.

Wodurch kennt das Kind den Unterschied zwischen Streit und Grenzen?

Der Unterschied liegt darin, ob Sie dabei in Kontakt mit Augen, Haltung, Mimik, Gestik und räumlicher Nähe bleiben oder den Blickkontakt meiden, Zorn oder Rückzug in ihrer Haltung ausstrahlen. Das Gegenüber erkennt sofort, ob es sich um eine Grenze in Liebe oder Streit handelt.

Welche innere Haltung nehmen Sie ein?

Man kann die Haltung einnehmen: „Stopp, hier geht es nicht weiter…. Und du bist mir sehr wichtig.“ Oder eine Haltung wie: „Spinnst du, das kannst du doch nicht machen.“ Diese Haltungen spiegeln sich jedenfalls in ihrer Mimik, Gestik, der Art wie sie atmen und sogar der Herzfrequenz , auch ohne tatsächlich ausgesprochene Worte.

Die zuerst genannte Art gibt Auskunft darüber, wo ihre persönlichen Grenzen liegen. Es wird lediglich liebevoll darauf hingewiesen, wo Sie Ihre persönliche Grenze ziehen. Sie geben Ihrem Kind die Chance, diese Grenzen auch zu respektieren. Dadurch steigt das gegenseitige Vertrauen.

Die zweite Position wirkt wie ein Angriff und fordert vom Gegenüber eine Verteidigungs- oder Rückzugshaltung. Der Kontakt zwischen Ihnen und Ihrem Kind ist dann jedenfalls kurzfristig unterbrochen.

Kontaktabbruch ist im subjektiven Erlebe sehr unangenehm, da speziell Kinder, von der Bindung zu ihren Eltern, vom sozialen Austausch, von der Hilfe und Liebe ihrer Eltern abhängig sind. Kinder, aber in Wirklichkeit alle Menschen brauchen andere Menschen, brauchen sozialen Austausch, Verbindung und Beziehung. Ohne soziale Interaktion können wir nicht leben.

Daher wollen Eltern keinen Streit und nicht gemein sein. Das will tatsächlich niemand!!! Grenzen zu setzen bedeutet jedoch nicht Streit. Grenzen zu setzen bedeutet, den Kontakt in, Blick, Gestik, Mimik, in innerer und äußerer Haltung aufrecht zu erhalten. Eine gut und klar gesetzte Grenze ist ein liebevoller Akt und zeugt davon, dass Ihnen Ihr Kind wichtig ist.

Mehr zu diesen und anderen Themen der Erziehung und Begleitung von Kindern im Seminar: Erziehung ist (k)ein Kinderspiel.

Autorin: Karin Haiderer

Buchtipp:

Jesper Juul

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Entscheidungen treffen – Die Qual der Wahl

richtige EntscheidungIn einer immer komplexer werdenden Welt stehen auch immer mehr und tiefere Entscheidungen im Leben an. Doch wie kann ich große Entscheidungen treffen? Woher kann ich wissen, was für mich richtig ist? Welche Auswirkungen hat die Wahl die getroffen wurde?

Entscheidungen sind wie Weggabelungen

Soll ich nach links oder nach rechts fahren. Was passiert, wenn links ein riesiger Umweg ist? Was passiert, wenn ich nach rechts fahre und gleich da bin? Die Antworten auf diese Fragen liegen in der Zukunft. Und weil die Zukunft niemand kennt und die Informationen über Auswirkungen der Entscheidungen aus jetziger Sicht nie vollständig sein können, machen Entscheidungen auch so große Angst. Die Zukunft entzieht sich für jeden und immer der eigenen Kontrolle. Das ist nicht leicht auszuhalten.

Im Nachhinein können wir nicht wissen, was besser gewesen wäre

Und wenn wir uns für eine Seite an der Weggabelung entschieden haben, nehmen wir an die andere Seite wäre doch besser gewesen. Doch das stimmt nicht. Wir sind ja nur einen Weg gegangen und haben die Auswirkungen von nur einem Weg tatsächlich erlebt.

Am meisten Angst macht das Grübeln

Und obwohl uns ja vom Verstand her völlig klar ist, wie es sich mit Zukunft und Vergangenheit verhält, können wir nicht aufhören zu grübeln. Wir denken uns die verschiedensten Szenarien aus. Fantasieren über ihre Konsequenzen und meistens landen wir bei den Worstcase-Szenarien. Und zwar bei den Worstcase-Szenarien jeder Möglichkeit, die zur Wahl steht. Und wir fangen wieder von vorne an. Denken nochmals alles durch und landen bei noch schlimmeren Szenarien. Die Angst die falsche Entscheidung zu treffen wird immer größer. Schließlich landen wir beim Stillstand. Wir wünschen uns, dass keine der Möglichkeiten eintritt und alles beim Alten bleibt.

Die Möglichkeit alles bleibt wie es ist- funktioniert einfach nicht

Wendepunkten im Leben können wir einfach nicht aus dem Weg gehen und gewissen Entscheidungen auch nicht. Die Entscheidung, keine Entscheidung zu treffen ist langfristig die ungesündeste, schon allein, weil sie aus Angst getroffen wird.

Wie treffe ich eine selbstsichere Entscheidung, zu der ich stehen kann?

Wichtig ist, nicht nur die blanken Fakten zu betrachten, sondern auch die Gefühle, die Intuition, den Bauch mit einzubeziehen. Gefühlen und Intuition Vertrauen zu schenken ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Das bedeutet sowohl den Verstand als auch das Gefühl zu nutzen. Um die Klarheit bezüglich Entscheidungen zu stärken gibt es in der Gestalttherapie die Methode zwei Stühle im Raum aufzustellen. Jeder Stuhl steht für eine der beiden Möglichkeiten. Man setzt sich abwechselnd auf beide Stühle. Durch gezielte Fragen des Therapeuten wird die innere Einstellung und Haltung klarer. Es etabliert sich eine Klarheit, die sehr erleichternd wirkt.

Was hindert mich Entscheidungen zu fällen?

Sollten Entscheidungen generell und immer, also auch bei kleineren Entscheidungen sehr schwer fallen, steckt meist mehr dahinter. Um sich selbst mit dieser Unsicherheit besser zu verstehen ist eine Psychotherapeutische Begleitung und Unterstützung sinnvoll.

Autorin: MMag. Karin Haiderer

 

Glück und Zufriedenheit

Wie können wir dieses utopisch scheinende Ziel nach Glück und Zufriedenheit erreichen? Was macht uns Menschen glücklich und zufrieden? Dies ist eine der spannendsten Fragen. Schließlich sehen viele Menschen Glück und Zufriedenheit als den Sinn des Lebens. In Frühstück bei mir interviewte Barbara Stöckl den Glücksforscher Ha Vinh Tho . Er warf einige sehr interessante Fragen auf, die er auch in seinem Buch „Grundrecht auf Glück“ näher erläutert.

Wann haben wir genug?

….erwirtschaftet, gegessen, Autos, Straßen, Häuser, uvm.? Eine Frage, die sehr eng mit der Zufriedenheit zusammenhängt. Zufriedenheit entsteht durch Wertschätzung dessen, was wir bereits haben, sowie Dankbarkeit für all die wundervollen Seiten des Lebens. Gerade wir in unserer westlichen Welt leben in größtem materiellen Luxus, mit Überschuss an Essen, von dem sogar unglaublich viel im Abfall landet. Wir haben materiell gesehen von allem reichlich! Doch die innere Unzufriedenheit der Menschen wird dadurch eher größer. Materialismus ist also nicht die Lösung.

Wir nehmen hauptsächlich den Mangel wahr.

Die Werbung und die Konsumwirtschaft vermitteln uns genau das Gegenteil. Sie zeigen uns all das auf, was wir nicht haben. Sie konfrontiert uns ständig mit dem Mangel. Nach dem Motto: „Erst wenn dieses oder jenes gekauft wurde, oder konsumiert wurde, werden wir glücklich sein.“ Scheinbar glauben wir der Werbung, obwohl wir ständig am eigenen Leibe erfahren, dass es nicht stimmt.

Anscheinend sind wir über bereits Generationen gesellschaftlich programmiert, ständig den Mangel der Welt wahrzunehmen. Wir sehen all das was wir nicht haben. Damit beschäftigen wir uns intensiv. Die Dinge die wir noch brauchen, haben besondere Wichtigkeit für uns. Dieses Gefühl von „nicht genug“ lässt uns immer gieriger und unzufriedener werden.

„Lieben was ist“

Dieser wunderschöne Buchtitel von Byron Katie ist voller Wertschätzung und Dankbarkeit für die Realität, wie sie sich gerade zeigt. Den Moment – präsent im Jetzt- so anzunehmen, wie er ist, ohne in verändern zu wollen, sei der absolute Schlüssel zum Glück laut Eckard Tolle, dem Autoren des Bestsellers „Jetzt“.

Im Hier und Jetzt

Auch in der Gestalttherapie ist der Fokus auf das Hier und Jetzt gerichtet. Schließlich ist hier und jetzt das Einzige das existiert und tatsächlich real ist. Die Vergangenheit, die Zukunft, das Woanders sind ausgedacht und nur in unseren Gedanken existent. Sich bewusst zu machen, wie wir über die Vergangenheit oder die Zukunft denken – wertschätzend oder abwertend- gibt uns die Möglichkeit, die Gedanken auch zu verändern und damit das eigene Gefühl über die eigene Vergangenheit und Zukunft zu ändern.

Das Hier und Jetzt ermöglicht uns Bewusstheit oder Awareness. Mit diesem Bewusstsein verankert im Hier und Jetzt ist Veränderung hin zu Glück und Zufriedenheit im Leben möglich.

 

Autorin: MMag. Karin Haiderer