Erziehung ohne Strafe und Verbote

Wenn der Spross einen zur Weißglut bringt, ist es oft schwierig, ohne Verbote und ohne Strafe auszukommen. So kann es dennoch gelingen:

„Jetzt hör sofort auf, sonst fahren wir nach Hause!“, „Es reicht, ich zähle bis drei, und wenn du dann nicht herkommst, gibt es heute keine Gute-Nacht-Geschichte“ – Sätze wie diese kennen wir nur allzu gut. Denn groß ist oft die Überforderung und stressig der Alltag. Da rutschen einem dann schon Sätze über die Lippen, die man aus der eigenen Kindheit kennt und die man eigentlich nie sagen wollte. Aber sind Strafen und Drohungen denn wirklich so schlimm? „Ja“, sagt der amerikanische Erziehungsexperte Alfie Sohn, „Bestrafung setzt auf Kontrolle. Sie vermittelt Kindern, dass sie nur geliebt werden, wenn sie uns gefallen oder uns beeindrucken.“

Let’s talk about Stress!

Strafen und Drohungen schädigen die Eltern-Kind-Bindung und das Selbstvertrauen des Nachwuchses nachhaltig. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation. Reden Sie miteinander darüber! Gehen Sie in Beziehung zu Ihrem Kind, fragen Sie nach, und sprechen Sie seine Gefühle offen an: Worum geht es bei dieser Auseinandersetzung wirklich? Welche Bedürfnisse hat mein Kind, und was will ich als Elternteil? Kurzfristig ist diese vielleicht die aufwendigere Lösung, aber langfristig ist sie besser für das Klima daheim, und der Nachwuchs lernt Verständnis und Konfliktmanagement.

Verbote sorgen für Funkstille

Jeder gerät im gemeinsamen Zusammenleben das ein oder andere Mal an seine Grenzen. Doch mit Verboten zerstören Sie mehr als sie glauben. Die Eltern-Kind-Beziehung gilt es zu hegen und zu pflegen, ist sie schließlich auch später in der Pubertät wichtig, um an gemeinsame Werte zu erinnern und den Nachwuchs vor gefahren zu bewahren. Fakt ist: Strafen und Drohungen machen Angst und lösen das Problem keineswegs langfristig. Bei Fernseh- oder Handyverbot zum Beispiel, denken Kinder bestenfalls darüber nach, wie sie das Verbot schnellstmöglich umgehen können, aber nicht über das eigentliche Thema. Außerdem brechen Strafen die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ab. Dabei wollen wir doch genau das Gegenteil: Endlich gehört werden!

Mehr Verständnis durch Empathie

Versuchen Sie herauszufinden, worum es Ihrem Nachwuchs in der jeweiligen Situation wirklich geht. Nehmen Sie Ihr Kind ernst! Was braucht es gerade? Natürlich dürfen und sollen Sie neben den Gefühlen Ihres Kindes auch Ihre eigenen Gefühle und Ihre persönliche Grenze ansprechen. Sätze, wie „Offensichtlich bist du gerade sehr wütend, das kann ich gut verstehen“ helfen dem Nachwuchs sich angenommen zu fühlen auch, wenn dieser gerade von seinen Gefühlen überwältigt wird und überfordert ist.

Ein „Nein“ ist kein Weltuntergang!

Eine wertschätzende Kommunikation bedeutet keineswegs das alles erlaubt ist und daheim die „Diktatur der Kinder“ herrscht. Selbstverständlich braucht es im Alltag, vor allem wenn es um Sicherheit geht oder um das Einhalten gemeinsamer Familienregeln, auch mal ein klares „Nein“. Natürlich dürfen – und sollen! – Eltern „Nein“ sagen. Aber auch ein „Nein“ kann wertschätzend formuliert werden und muss nicht zum Machtkampf zwischen den Generationen ausarten.

Autorin: Nina Petz

Buchtipp:

                         Katia Saalfrank: Erziehung ohne Strafen

Sie möchten mehr zu diesem Thema erfahren?

Dieses und andere Bücher zum Thema finden Sie in der Buchhandlung Buchhandlung Alexowsky

Weitere Buchtipps:

Alfie Kohn: Liebe und Eigenständigkeit, Der Mythos des verwöhnten Kindes

Jesper Juul: Das kompetente Kind

Thomas Gordon: Familienkonferenz

Marshall B. Rosenberg: Kinder einfühlend ins Leben begleiten – Elternschaft im Licht der gewaltfreien Kommunikation

Danielle Graf und Katja Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn