Woran scheitern Grenzen?

Grenzen geben HaltGrenzen zu setzen gibt Halt und Sicherheit. Je klarer Eltern Grenzen setzen und vorgeben können, desto ausgeglichener und sicherer können sich Kinder innerhalb dieser Grenzen ausleben.

So weit, so logisch. Doch woran scheitert es denn so oft?

„Ich will nicht so gemein sein,“ höre ich Eltern sagen. „Ich bin so konfliktscheu und harmoniebedürftig. Ich will keinen Streit mit meinem Kind.“ Bei solchen Worten wird mir dann immer wieder klar: „Hier liegt eine Verwechslung vor.“

Grenzen haben nichts mit Streit oder Disharmonie zu tun.

Grenzen sind etwas Klares und Liebevolles. Und das ist überhaupt kein Wiederspruch. Eine Grenze, die niemand setzt kann man auch nicht respektieren.

Unklare Grenzen bewirken das Gegenteil. Eine Grenze aufzuzeigen, zu der man nicht ehrlich steht, bewirkt mehr Unklarheit und Unsicherheit als vorher. Dadurch entstehen Gefühle der Angst und oftmals auch des Zorns.

Wodurch kennt das Kind den Unterschied zwischen Streit und Grenzen?

Der Unterschied liegt darin, ob Sie dabei in Kontakt mit Augen, Haltung, Mimik, Gestik und räumlicher Nähe bleiben oder den Blickkontakt meiden, Zorn oder Rückzug in ihrer Haltung ausstrahlen. Das Gegenüber erkennt sofort, ob es sich um eine Grenze in Liebe oder Streit handelt.

Welche innere Haltung nehmen Sie ein?

Man kann die Haltung einnehmen: „Stopp, hier geht es nicht weiter…. Und du bist mir sehr wichtig.“ Oder eine Haltung wie: „Spinnst du, das kannst du doch nicht machen.“ Diese Haltungen spiegeln sich jedenfalls in ihrer Mimik, Gestik, der Art wie sie atmen und sogar der Herzfrequenz , auch ohne tatsächlich ausgesprochene Worte.

Die zuerst genannte Art gibt Auskunft darüber, wo ihre persönlichen Grenzen liegen. Es wird lediglich liebevoll darauf hingewiesen, wo Sie Ihre persönliche Grenze ziehen. Sie geben Ihrem Kind die Chance, diese Grenzen auch zu respektieren. Dadurch steigt das gegenseitige Vertrauen.

Die zweite Position wirkt wie ein Angriff und fordert vom Gegenüber eine Verteidigungs- oder Rückzugshaltung. Der Kontakt zwischen Ihnen und Ihrem Kind ist dann jedenfalls kurzfristig unterbrochen.

Kontaktabbruch ist im subjektiven Erlebe sehr unangenehm, da speziell Kinder, von der Bindung zu ihren Eltern, vom sozialen Austausch, von der Hilfe und Liebe ihrer Eltern abhängig sind. Kinder, aber in Wirklichkeit alle Menschen brauchen andere Menschen, brauchen sozialen Austausch, Verbindung und Beziehung. Ohne soziale Interaktion können wir nicht leben.

Daher wollen Eltern keinen Streit und nicht gemein sein. Das will tatsächlich niemand!!! Grenzen zu setzen bedeutet jedoch nicht Streit. Grenzen zu setzen bedeutet, den Kontakt in, Blick, Gestik, Mimik, in innerer und äußerer Haltung aufrecht zu erhalten. Eine gut und klar gesetzte Grenze ist ein liebevoller Akt und zeugt davon, dass Ihnen Ihr Kind wichtig ist.

Mehr zu diesen und anderen Themen der Erziehung und Begleitung von Kindern im Seminar: Erziehung ist (k)ein Kinderspiel.

Autorin: Karin Haiderer

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