Patchworkfamilien – meine, deine, unsre

Patchwork-Familie

In Österreich leben rund 9 % aller minderjährigen Kinder in sogenannten Patchworkfamilien. Der Begriff bezeichnet einen bunten Mix verschiedenster Mitglieder unterschiedlicher Familien, die aufgrund einer neuen Partnerschaft zusammengeschlossen sind und demnach eine neue Familie bilden.

Meine, deine, unsre Kinder

So leben laut Österreichischem Institut für Familienforschung der Universität Wien (OIF) „Familien in Zahlen 2017“, 67.056 Patchwork/Stieffamilien mit minderjährigen Kindern in Österreich. Dies entspricht rund 9% aller Familien in Österreich.

Stieffamilien gibt es schon lange. Früher allerdings vermehrt durch den Tod eines Elternteils, haben sich neue Partnerinnen und Partner zu einer neuen Familienkonstellation zusammengefunden. In neuester Zeit sind es weniger die Sterbefälle, sondern Scheidungen und das Finden neuer Partnerinnen und Partner, aus denen dann neue Patchworkfamilien entstehen.

Eigentlich ist es wunderschön. Zwei Menschen lernen sich kennen und verlieben sich ineinander. Eine neue, aufregende Beziehung entsteht. Beide haben Kinder und beschließen nach langen Gesprächen und Überlegungen, dem jeweils anderen, die eigenen Kinder vorzustellen.

Das Abenteuer „Patchworkfamilie“ beginnt.

Mit dem Kennenlernen der neuen Partnerin/des neuen Partners und den jeweiligen anderen Nachkommen stellen sich alle Beteiligten den unterschiedlichsten Herausforderungen und Situationen, die sie sich zuvor so in der Art und Weise nicht hätten ausmalen können.

Da sind die Kinder, die plötzlich anderen gegenüberstehen, aber nicht nur denen. Der Nachwuchs erlebt, dass die jeweils wichtige Bezugsperson jemand anderen liebt, als die „richtige“ Mama/den „leiblichen“ Papa. So können Loyalitätskonflikte entstehen, denn eigentlich wünschen Kinder sich meist, dass die Ursprungsfamilie wieder zusammenzieht und sich verträgt.

Zeit und Gespräch wichtig für ein gutes Gelingen

So gilt es nicht, die Mama/den Papa durch die neue Partnerin/den neuen Partner zu ersetzen. Es gilt, ihn zusätzlich als eine Person in das Leben des Kindes/der Kinder zu bringen. Da heißt es, dass alle Beteiligten sich kennen lernen und vertrauen lernen müssen. Dies braucht Zeit und Geduld. Wichtig für eine gute Basis bildet das Gespräch miteinander. Je klarer den Erwachsenen ist, dass die Kinder und auch sie selbst, Zeit brauchen um miteinander einen gangbaren Weg zu finden um die Patchworkfamilie miteinander zu gestalten, desto eher kann Gelassenheit in manche noch so herausfordernde Situation gelangen.

Konflikte nicht unter den Teppich kehren

Klar ist, dass es in Patchworkfamilien genauso wie in der Ursprungsfamilie auch, miteinander Konflikte geben wird. Wer darf wen um was bitten? Was darf wer wann wo entscheiden? Und wie viel Vertrauen hat welches Familienmitglied zu welchem? Viele unzählige Faktoren spielen mit, damit das Konstrukt Patchworkfamilie auch tragfähig werden kann. Unter anderem zählt da auch dazu, welche Gespräche über was zugelassen werden können und welche Themen nicht angebracht sind. So ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche Fragen stellen dürfen und sich Hilfe von den Erwachsenen erwarten können, denn sie sind es, die sich oftmals schwerer tun, in solchen neuen Situationen zurechtzukommen. Oft ist in den Köpfen der Kinder eine Vorstellung davon, dass sie selbst durch ihr Verhalten beeinflussen können, dass der „leibliche“ Elternteil wiederkommt. Sie müssen nur dieses oder jenes tun und schon haben sich Mama und Papa wieder lieb.

Ein neues Baby

Oftmals ist es so, dass es in der neuen Situation der Patchworkfamilie nicht nur neue „Geschwister“ mit einziehen, sondern auch ein Baby geboren wird. Hier kann Eifersucht der bereits geborenen Kinder entstehen und das Gefühl, dass die Bezugspersonen das Baby viel lieber haben. Auch hier hilft es dem Nachwuchs meist sehr, wenn es eingebunden ist und sich mit den Erwachsenen zusammen auf den neuen Erdenbürger freuen kann. Das Erleben, dass ein Baby zwar mehr Aufmerksamkeit braucht, aber die Liebe zu dem größeren Kind nicht aufhört, kann den Zusammenhalt in einer Patchworkfamilie durchaus stärken und fördern.

Jede Familie ist anders

Bei alledem ist wichtig, dass sich Eltern im Klaren darüber sind, dass jede Patchworkfamilie anders ist und es bei allem Austausch und Gespräch klar sein muss, dass jede Familie ihre eigenen Werte, Wünsche und Vorstellungen hat. Keine Patchworkfamilie gleicht der anderen!

Autorin: Dipl.-Päd. Andrea Leidlmayr, BEd